03/11/2023
Statement - 3.11.23
RIAS Bayern dokumentiert seit 2019 antisemitische Vorfälle, unterstützt Betroffene von Antisemitismus und stellt Informationen zu Antisemitismus der Öffentlichkeit zur Verfügung. Unsere Teilnahme an Veranstaltungen müssen wir aufgrund der aktuellen Situation derzeit teilweise aussetzen. Die Unterstützung Betroffener und die Dokumentation des ungekannten Ausmaßes antisemitischer Vorfälle haben Priorität – Bitte meldet deshalb weiterhin alle antisemitischen Vorfälle!
Derzeit fokussieren viele Anfragen auf die Anzahl antisemitischer Vorfälle seit dem Massaker im Süden Israels. Aufgrund des exorbitant hohen Meldeaufkommens und unserer begrenzten Kapazitäten können wir derzeit keine validen Zahlen herausgeben. Wir können die Meldungen, die wir immer zuerst verifizieren müssen, derzeit schlicht nicht in der Geschwindigkeit bearbeiten, in der sie uns erreichen. Dennoch ändern sich die Vorfallszahlen mitunter stündlich. Hier können wir derzeit nur darauf verweisen, dass sich der Trend aus der Analyse des Bundesverbandes RIAS vom 18. Oktober auch bezüglich Bayern mindestens fortsetzt in dem Sinne, dass sich die Zahlen unterdessen vervielfacht haben:https://report-antisemitism.de/documents/2023-10-18_antisemitische_reaktionen_in_deutschland_auf_die_hamas-massaker_in_israel.pdf Sobald wir in der Lage sind, eine neue Auswertung vorzunehmen, werden wir das tun.
Allein, dass es antisemitische Anfeindungen bis hin zu Angriffen gegen Juden und Jüdinnen im Zusammenhang mit einem unvorstellbar brutalen Angriff auf Menschen in Israel gibt, sollte verdeutlichen, dass es dort wie hier um nichts anderes als Hass auf Juden geht. Seit dem Abend des 7. Oktober, noch bevor die israelische Armee mit der Verteidigung begonnen hatte, gehen unaufhörlich und in nie dagewesener Quantität Meldungen über antisemitische Vorfälle mit Bezug auf das Massaker ein.
Jenseits der quantitativen Explosion beobachten wir folgendes: Die Massaker und Angriffe vom 7. Oktober stellen eine Zäsur dar, deren Folgen für die kommenden Monate und Jahre für Jüdinnen und Juden und die öffentliche Artikulation von Antisemitismus auch in Bayern noch nicht absehbar sind. Jüdinnen und Juden sehen sich in einer sehr belastenden Situation, in der mit antisemitischen Anfeindungen jederzeit und an jedem Ort gerechnet werden muss: Schmierereien und Drohanrufe, israelfeindliche Demonstrationen, auf denen antisemitische Inhalte verbreitet und der Hamasterror gerechtfertigt werden, antisemitische Direktnachrichten und Inhalte auf Social Media oder Beschimpfungen bei zufälligen Begegnungen in der Öffentlichkeit gehören dazu ebenso wie die Angst vor körperlichen Angriffen und Anschlägen. Zu Drohungen und Angriffen kam es auch in Bayern. Zu den Sorgen hier in Bayern, zuhause, etwa, die eigenen Kinder in die Schule zu schicken, kommt bei vielen die Sorge oder Trauer um Freund:innen und Verwandte in Israel.
Seit dem 7. Oktober ist nichts, wie es vorher war. Sowohl die antisemitische Gewalt in Israel, als auch der Antisemitismus, der sich in der Folge hier unterstützend Bahn bricht, bewegen sich auf einem nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ neuen Niveau. Zum elementaren Verlust von Sicherheit kommt vielfach nicht nur Kälte, Empathielosigkeit und mitunter die Entsolidarisierung bisher Verbündeter dazu, sondern die Opfer werden regelrecht verhöhnt.
Wir stehen mehr denn je an der Seite derer, die von Antisemitismus betroffen sind. Kontaktiert uns über unsere üblichen Kanäle!
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