21/02/2026
Baustellen sind ärgerlich – sie erschweren den Alltag, machen Lärm, nötigen uns zu Umwegen und verursachen Verspätungen. Sie sind nicht immer genug umsichtig geplant, kosten viel Geld und Nerven, haben Verzögerung und wenn alles fertig gebaut ist, treten die ersten Baumängel zu Tage… Martin Werlen wirft einen anderen Blick auf Baustellen. Trotz der täglichen Beschwernissen versucht Werlen Baustellen auch positiv zu sehen, nämlich von dem Resultat her, dass sie schliesslich bringen werden; gleichzeitig macht er darauf aufmerksam, dass Baustellen – konkret und im übertragenen Sinn – zu unserem Leben gehören: Wir können uns darüber ärgern, wir können sie aber auch als Ermutigung nehmen, zum Besseren unterwegs zu sein.
Weil die Schülerzahlen wachsen und weil einige Kantonsschulgebäude renovationsbedürftig sind, gibt es an den Zürcher Mittelschulen zurzeit einige Baustellen. Das Gymnasium ist zurzeit aber auch im übertragenen Sinn eine Baustelle: Mit dem Projekt «WegZH» soll das Gymnasium auf das neue Maturitätsanerkennungsreglement und den neuen Rahmenlehrplan hin umgebaut werden. Der Umbau ist notwendig: Das alte Maturitätsanerkennungsreglement von 1995 (!) ist längstens noch bis Juli 2032 gültig. Das neue will sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen.
Im Ganzen Reform- und Umbauprozess kann die Perspektive, Baustellen als Ermutigung zu sehen, provokativ sein. Als lebensweisheitlicher Ratschlag für eine gesunde Psychohygiene kann sie uns aber auch Rückenwind geben, wenn wir versuchen, die vielen Baustellen an den Kantonsschulen und insbesondere die Baustelle Gymnasium im Rahmen von WegZH immer wieder auch von dem Ziel her zu sehen, das wir gemeinsam erreichen wollen: Ein modernes Gymnasium als zukunftsfähigen Ausbildungsgang mit attraktiven neuen Schwerpunktfächer – eine Antwort auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Massgeblich dafür wird in erster Linie der Unterricht sein, die Strukturen sind sekundär. WegZH ist in jedem Fall die Chance unseren Unterricht im Hinblick auf aktuelle und zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen weiterzuentwickeln – und diese Chance sollten wir nutzen.
🔨 «Eine Baustelle kann man nicht allein bewältigen»
Drei Jahre lang war die Propstei St. Gerold eine Baustelle. Für den Benediktiner Martin Werlen wurde diese Zeit zum Sinnbild für Kirche und Leben. Statt die Bauarbeiten als Störung auszublenden, integrierte er sie bewusst in seine Seminare – und machte Entwicklung sichtbar und erlebbar.
Im Interview erklärt Werlen, weshalb das Bild der «Baustelle» treffender ist als jenes vom «Haus voll Glorie». Eine Baustelle fordert heraus, genau hinzuschauen, Probleme zu benennen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ob Missbrauchskrise, Reformstau oder die Stellung der Frau in der Kirche – entscheidend sei, Baustellen als solche wahrzunehmen, ohne vorschnell einfache Antworten zu liefern.
«Lärm und Schmutz sind kein Wert an sich», sagt Werlen, «aber im Hinblick darauf, dass daraus etwas Besseres wird, nehmen wir das in Kauf.» Entwicklung entsteht dort, wo Menschen Verantwortung teilen und als Team unterwegs sind.
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