21/11/2025
BILANZ-Chefredaktor Dirk Schütz bringt es in seinem lesenswerten Newsletter wieder einmal pointiert auf den Punkt:
«Angeblich droht er wieder. Da soll also UBS-Präsident Kelleher mit US-Finanzminister Bessent über eine Verlagerung des Hauptsitzes nach New York verhandelt haben, und wenn das die Financial Times auf die Titelseite schreibt, gerät gleich die ganze Wirtschafts-Schweiz in Aufruhr. Was dann stets schnell untergeht: Die Bank betont unermüdlich, auch als Reaktion auf die Bessent-Story, dass sie «als erfolgreiche globale Bank aus der Schweiz heraus» operieren wolle.
Der News-Gehalt? Spärlich. Kelleher hatte bereits Ende September im Bilanz Business Talk herausgestrichen, dass er eine Treuepflicht gegenüber seinen Aktionären habe und deshalb rechtlich verpflichtet sei, bei einer gravierenden Standort-Benachteiligung nach Alternativen zu suchen. Schon damals gab es Gerüchte über einen Wegzug, schon damals wurden sie nicht von der UBS-Spitze initiiert. «Wir wurden angesprochen», betonte Kelleher. Natürlich wird sich der Wall-Street-Veteran nicht wehren, wenn sich der mächtigste Finanzminister der Welt, aus New Yorker Zeiten bekannt, bei ihm meldet. Doch die US-Regierung hat ein grosses Interesse, die Gespräche publik zu machen, anders als Kelleher, dessen Bank gerade im Parlament von allen drei bürgerlichen Parteien anschwellende Zustimmung für einen Kapital-Kompromiss erfährt. Er sei sich sicher, dass Trump gern eine Rede darüber halten würde, wie er die Bankgeschäfte «all seiner befreundeten Milliardäre in die USA» gebracht habe, sagte er im Talk – und liess den zentralen Satz folgen: «Das dürfen wir nicht zulassen.»
Doch hören will das niemand – die Fama von der drohenden UBS ist einfach schöner. Das Misstrauen ist hierzulande mittlerweile so gross, dass sich auch mit dem Bashing der kerngesunden CS-Retterin billige Entrüstungs-Punkte sammeln lassen. Verantwortungsvoll ist das ebenfalls nicht.»
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