01/06/2026
Seit drei Monaten leitet die «Bibi Uster» und hat sich nicht nur in die Stadt, sondern auch in die besondere Atmosphäre der verliebt. Im spricht sie über Begegnungsorte ohne Konsumzwang, motivierte Teams, grosse Zukunftspläne und weshalb ausgerechnet eine Hot-Dog-Maschine ziemlich gut zur modernen Bibliothek passt.
🎤 Liebe Gaby, du bist jetzt seit 3 Monaten in Uster: Was hat dich am meisten überrascht?
Uster ist ein spannender, lebhafter Ort und hat viel zu bieten, obwohl er so nah an Zürich ist. Mich freut das kulturelle Angebot (auch in der Bibliothek), das urbane und doch grüne Stadtbild, die kurzen Wege und ganz besonders die freundliche Aufnahme durch das Team und die Verwaltung.
🎤 Was macht die «Bibi Uster» für dich persönlich besonders?
Die Bibi Uster ist super! Sie ist ein sehr wichtiger Ort in der Stadt, wo man von morgens früh bis abends spät sich aufhalten, lernen, schmökern, lesen, treffen, einen Kaffee trinken, spielen und austauschen kann. Ausserdem ist sie Vorzeigebibliothek – sogar über die Landesgrenze hinaus.
🎤 Welche Rolle spielt die Bibliothek heute? Ist sie eher ein ruhiger Rückzugsort oder ein lebendiger Treffpunkt?
Bibliotheken sind heute wichtiger denn je: Sie bieten einen konsumfreien Ort (Stichwort: 3. Ort), sind Bildungsstätten (Stichwort: lebenslanges Lernen), Treffpunkt und Aufenthaltsort. Sie sind Räume, in denen man sich auch allein in Gesellschaft bewegen kann. Im besten Fall bieten sie beides: ruhiger Rückzugsort und lebendiger Treffpunkt. Am jetzigen Standort ist das oft eine Herausforderung, da wir keine abtrennbaren Räume haben. Wir meistern diese Gratwanderung, so gut es geht.
🎤 Wie führst du ein Team, das so lange Öffnungszeiten abdeckt?
Wir sind eine «Open Library»: Das heisst, die Randzeiten sind unbedient. Wenn wir morgens eintreffen, sind schon Kundinnen hier und wenn wir abends gehen, sind die Kunden immer noch da. Ich spüre ein grosses Engagement des ganzen Teams und bin stolz darauf, dass wir als eine der ersten Bibliotheken der Schweiz an 365 Tagen geöffnet haben. Um auf die Frage zurückzukommen: Wir ziehen alle am gleichen Strick und sind motiviert, diesen Ort bestmöglich zu gestalten. Ein genauer Arbeitsplan und die Bereitschaft einzuspringen sind natürlich unabdingbar.
🎤 Was macht für dich ein gutes Bibliotheksteam aus?
Ein gut ausgebildetes Team mit Commitment zur Stadt, zur Bibliothek, zum ganzen Team; eine grosse Bereitschaft, die Herausforderungen, die sich uns täglich bieten, gemeinsam zu meistern sowie natürlich Lust, etwas zu bewegen.
Für den Teenager empfehle ich: Lancali: «I fell in love with hope». Ein Buch über Freundschaft in schwierigen Zeiten. Es ist als E-Book in der Onleihe erhältlich: Digitale Bibliothek Ostschweiz. i fell in love with hope
Für Berufstätige, die mitten im Leben stehen (und vielleicht keine Zeit zum Lesen haben): Die Hot-Dog-Maschine aus der «Bibliothek der Dinge». Jawohl, wir verleihen auch Gegenstände! Vielleicht wird die nächste Party gerade deswegen ein Erfolg.
Für Menschen, die sich aufs Älterwerden freuen: Schafroth, Andrea: «Jungbleiben ist auch keine Lösung – ein Buch übers Älterwerden». Oder einen Wanderführer für die Zentralschweiz, wo ich herkomme: «Raus und Wandern: Zentralschweiz: 25 aussergewöhnliche Wandertouren & Fotomotive».
🎤 Was möchtest du in Uster unbedingt bewegen?
Mein Vorgänger Roman Weibel hat für Uster und die Bibliothek wahnsinnig viel gemacht. Ich möchte da anknüpfen und die Bibliothek auf dem hohen Niveau halten, auf der sie ist. Ich möchte mit Vereinen, anderen Institutionen und den Menschen hier noch mehr zusammenarbeiten und ganz viele Veranstaltungen für Jung und Alt lancieren und regelmässig durchführen. Einige sind in der Pipeline – man darf gespannt sein!
🎤 Wenn du auf die Zukunft der «Bibi Uster» schaust: Welche Bedeutung hat der Standort für dich?
Der jetzige Standort der Bibi scheint ideal: ebenerdig und zentral, gleich beim Bahnhof. Doch wir platzen aus allen Nähten. Kinder lachen und rennen herum, dutzende Studierende lernen, Senioren lesen Zeitung, in der Flickstube in der Café-Lounge reparieren Migrantinnen Kleidungsstücke und eine ganze Familie schreibt sich für ein neues Abo ein. Es ist manchmal schwierig, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. An einem grösseren Standort könnten wir alle besser bedienen.