WOhnenbern führt seit gut zwei Jahren ein inklusives Teilhabezentrum an der Scheibenstrasse im Wylerquartier. Darin integriert ist das restaurant44, ein öffentlicher Gastronomiebetrieb mit frischer, saisonaler und regionaler Küche für alle Menschen im Quartier und darüber hinaus. Für Menschen in prekären finanziellen Verhältnissen werden für 5 Franken Solimenus angeboten, die von zahlkräftigeren Gästen und über Spenden querfinanziert werden. Darüber hinaus bietet das Restaurant auch niederschwellige Möglichkeiten zur Arbeitsintegration in der Küche und im Service an und zur Beschäftigung stehen freie Computer-, Drucker- und Internetbenutzung, Zeitungen und Bibliothek mit aktuellen Büchern und ein Klavier zur Verfügung. Veranstaltungen und kulturelle Anlässe von und für Menschen mit oder ohne Einschränkungen, welche für die Kund_innen von WOhnenbern gratis besucht werden können, unterstützen die soziale Inklusion unserer Kund_innen.
Durch das Corona-Virus und den damit verbundenen Lockdown musste auch das Teilhabezentrum Mitte März abrupt schliessen, womit für viele Menschen die Möglichkeit einer vergünstigen Mahlzeit sowie ihre Tagesstruktur wegfiel. Anfang April erhielt WOhnenbern sehr unbürokratisch und schnell grosse finanzielle Unterstützung durch die Katholische Kirche Region Bern, mit der für rund 70 unserer Kund_innen und 15 Menschen im Quartier innert kürzester Zeit ein Mahlzeiten-Lieferservice aufgebaut wurde, der von Montag bis Samstag ein gesundes und ausgewogenes Menu kostenlos ins Haus lieferte und es WOhnenbern zudem ermöglichte, einen täglichen, niederschwelligen Kontakt während dieser schwierigen Zeit zu all diesen Menschen aufrecht zu erhalten.
Viele der Empfängerinnen zeigten sich in den letzten Wochen darüber enorm dankbar. Der Lieferdienst half mit, dass sich Risikopersonen besser schützen konnten, da die Notwendigkeit des Einkaufes reduziert wurde und gab ihnen eine kleine Tagesstruktur in den oft öden Alltag. Einer dieser Menschen, ein langjähriger Kunde von WOhnenbern, hat seine Erlebnisse und Gedanken rund um die Coronokrise für uns aufgeschrieben:
«Das so viel Zeit auf sich gestellt sein - womit nun wohl viele Menschen vermehrt konfrontiert geworden sind - ist anspruchsvoll. Ich zum Beispiel spiele Schach im Internet oder ich befasse mich mit mathematischen Aufgaben. Dies hat mich schon im Gymnasium interessiert, die Zahlen, die Logik, die Ratio.
Geboren bin ich im Juli 1974. Mit 19 hatte ich einen Nervenzusammenbruch, der übermässige Alkoholkonsum hat dies begünstigt und ich landete in der Waldau. Gemerkt habe ich es schon ab 18 Jahren, wurde stetig depressiver, hatte keine Lust und kein Interesse mehr.
Warum sich diese Krankheit, die bei mir später als Schizophrenie diagnostiziert wurde, eingestellt hat, das weiss ich nicht. Ich hatte eine gute Kindheit. Ich bin vom Wesen her ein sensibler Mensch und konnte mich als Jugendlicher nicht so gut abgrenzen gegenüber anderen Menschen. War jedoch in den mathematischen Fächern über dem Klassendurchschnitt.
Aufgrund meiner psychischen Beeinträchtigung bin ich vor 10 Jahren dann auch zu WOhnenbern gekommen. Zuerst in eine betreute Wohnung und dann 2014 bin ich in meine kleine begleitete Wohnung im Ostring gezogen. Diese 1 Zimmer Wohnung habe ich selbst eingerichtet und sie ist sonnig und ruhig gelegen.
Ich hatte während der Coronazeit glücklicherweise viel Kontakt zu den Nachbarn, was ich schätzte.
Essen bin ich vor Corona regelmässig ins restaurant44 gegangen, an der Scheibenstrasse 44. Und zwar vor allem auch um Gespräche zu führen. Meist mit den anwesenden Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen oder auch mit anderen Kunden und Kundinnen von WOhnenbern. Während der Corona Zeit ist das weggefallen, da das Restaurant geschlossen war. Das hat mir schon gefehlt.
Ich habe einige soziale Kontakte, würde mir aber schon noch mehr Kollegen oder eine Freundin wünschen. Dies ist nicht so einfach, wenn man seine jungen Jahre in Kliniken und Institutionen verbracht hat und zum Teil gar nicht so weiss, wie Leute kennenzulernen.
In der Coronazeit wurde uns das Essen nach Hause geliefert.
Das habe ich sehr geschätzt. Die Essenslieferung gab dem Tag einen Teil Struktur. Und gespendet war das Ganze von der katholischen Kirche. Ich habe es nun für mich wieder abbestellt, weil ich nun wieder selbst kochen kann und das restaurant44 am Mittag wieder aufgemacht und auch wieder Solimenus abgibt. Da bin ich dann lieber wieder dort wo was läuft und es manchmal interessante Gespräche gibt.«
Das restaurant44 ist unter Berücksichtigung der Schutzmassnahmen wieder von Montag bis Freitag von 11.30 – 13.30 Uhr geöffnet. Das Wochenmenu finden Sie hier https://zentrum44.ch/restaurant44/. Sie können es bei uns drinnen, auf der Terrasse unter Palmen oder als Take-away-Menu bei Ihnen zu Hause geniessen. Weiterhin legen wir bis am 8. August 2020 zehn Gratismenus in den Kühlschrank von Madame Frigo, ausserhalb des restaurants44. Ebenfalls bieten wir zusätzlich für Menschen in prekären finanziellen Verhältnissen wieder 5-Franken-Solimenus an.
Weitere Informationen zum Millionen-Hilfspaket der Katholischen Kirche sind hier erhältlich: www.kathbern.ch/corona-hilfspaket.