27/03/2025
Am 30. März 2025, gedenken wir dem Tag des Bodens (arabisch Yoom al Ard).
Der Tag des Bodens geht auf ein Ereignis im Norden Israels aus dem Jahr 1976 zurück. Bei Protesten gegen die Enteignung durch die israelische Regierung von 20,000 Dunum Land rund um palästinensische Dörfer in Galiläa wurden sechs israelische PalästinenserInnen, drei Männer und drei Frauen, erschossen und mehr als hundert PalästinserInnen verletzt. Jedes Jahr versammelte sich seither am 30. März die palästinensische Bevölkerung in Israel, in den besetzten palästinensischen Gebieten und weltweit, um an diese Ereignisse zu erinnern und um auf Israels weiterhin andauernde Besatzung, Siedlerkolonialismus und Landannexion aufmerksam zu machen.
Der Tag des Bodens brachte eine signifikante Änderung in der Geschichte der in Israel lebenden PalästinenserInnen mit sich. Durch ihn wurden sie zu einer wahrnehmbaren politischen und sozialen Kraft, die nicht länger von Israel ignoriert werden konnte. Der Tag des Bodens verdeutlichte ihre palästinensische Identität und ihren politischen Kampf für Gerechtigkeit und Gleichheit sowie gegen Unterdrückung und Besatzung.
Der Tag des Bodens ist auch im Jahr 2025 aktueller denn je. Parallel zum genozidalen Krieg in Gaza wird der israelische Siedlungsbau in Ostjerusalem und im Westjordanland weiterhin vorangetrieben, nach wie vor wird palästinensisches Land enteignet und der palästinensischen Bevölkerung somit nicht nur Grund und Boden, sondern auch wertvolle Ressourcen, wie beispielsweise Wasser, genommen.
Israelische Siedlungen in Ostjerusalem und im Westjordanland
Die israelische Siedlungspolitik gilt nicht nur als völkerrechtswidrig, sondern auch als eine der Haupthindernisse für einen gerechten Frieden.
Ende 2024 gab es 551 israelische Besatzungsstandorte und Militärstützpunkte im Westjordanland, darunter 151 Siedlungen und 256 Außenposten von Siedlungen. 2024 nahmen Bau und Ausbau der israelischen Siedlungen erheblich zu, da die israelische Regierung den Bau von mehr als 13 000 Wohneinheiten im gesamten Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, genehmigten und dafür rund 11 888 Dunum palästinensisches Land beschlagnahmten.
Heute leben über 770 000 israelische SiedlerInnen in Ostjerusalem und im Westjordanland. Etwa 43 Prozent davon leben in Ostjerusalem, gefolgt von Ramallah und Al-Bireh sowie Bethlehem und Salfit. Das Vorantreiben des für den israelischen Staat lukrativen Siedlungsbaus geht immer einher mit der Enteignung von palästinensischem Land und betrifft vor allem fruchtbare Regionen in den palästinensischen Gebieten. Allein im Jahr 2024 wurden mehr als 46.000 Dunum palästinensisches Land von der israelischen Regierung beschlagnahmt, Israel kontrolliert heute mehr als 85 Prozent des ursprünglichen Landes Palästina.
Nicht zuletzt ist die israelische Siedlungspolitik, wie auch von den drei Menschenrechtsorganisationen B’Tselem (Jänner 2021), Human Rights Watch (April 2021) und Amnesty International (Februar 2022) bestätigt, eng mit der israelischen Apartheidpolitik verknüpft, mit all ihren gravierenden Auswirkungen auf die palästinensische Zivilbevölkerung.
„Der fortwährende Landraub von Seiten Israels lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei der israelischen Besatzung nicht um eine militärische handelt, sondern um eine siedlerkolonialistische“, so Botschafter Salah Abdel Shafi. „Zudem zeigt der seit nun 18 Monaten andauernde Genozid in Gaza, dass das geraubte Land auch ethnisch gesäubert wird – Israel will Land und Boden ohne dessen ursprüngliche Bewohnerinnen und Bewohner.“
Zerstörung von Infrastruktur in Gaza und im Westjordanland
Seit Beginn des genozidalen Krieges in Gaza im Oktober 2023 hat die israelische Armee mehr als 60 368 Gebäude zerstört und mehr als 110 000 Gebäude schwer beschädigt. Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der ganz oder teilweise beschädigten Wohneinheiten auf 330 000 geschätzt wird, was mehr als 70 % der gesamten Wohneinheiten im Gazastreifen ausmacht.
Hinzu kommen die Zerstörung von Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, Moscheen, Kirchen und Regierungsgebäuden sowie die Zerstörung von Tausenden von Wirtschaftsbetrieben und der meisten landwirtschaftlichen Flächen, womit der Gazastreifen zu einem unbewohnbaren Ort gemacht wurde.
Im Jahr 2024 hat die israelische Armee im Westjordanland mehr als 903 Gebäude und Einrichtungen ganz oder teilweise abgerissen und zerstört, darunter 242 Gebäude und Einrichtungen in Ostjerusalem. Darüber hinaus wurden 939 Abrissbefehle für palästinensische Einrichtungen unter dem Vorwand fehlender Genehmigungen ausgestellt. Seit Anfang 2025 hat die israelische Armee Dutzende von Gebäuden in den palästinensischen Flüchtlingslagern (wie beispielsweise Jenin und Tulkarem) abgerissen und Zehntausende der BewohnerInnen vertrieben.
Veranstaltungshinweis
Mahnwache anlässlich Tag des Bodens
Organisiert von der Palästinensische Gemeinde Österreich
30. März 2025, 18:00 Uhr am Wiener Stephansplatz