27/10/2020
Die Sondierungsgespräche sind vorbei. Heute hat der Parteivorstand der SPÖ Wien den Beschluss gefasst mit den NEOS in Koalitionsverhandlungen zu treten – gegen die Stimme der Sozialistischen Jugend.
Wir möchten hier unsere Gegenstimme auch begründen, so wie wir es bisher auch in allen internen Gremien getan haben.
Mit dem Ausgang der Wien-Wahl hatte die SPÖ die Möglichkeit mit 3 bürgerlichen Parteien eine Regierung zu bilden. Alle drei haben sich in den letzten Jahren als arbeitnehmer_innenfeindlich bewiesen. Doch es gibt aus unserer Sicht mehrere Punkte, die explizit gegen eine Koalition mit den NEOS sprechen.
1.) Eine Koalition mit den NEOS ist eine Koalition gegen den Wähler_innenwillen:
Die Umfragen vom Meinungsforschungsinstitut SORA zeigen ganz klar, dass die rot-grüne Koalition die mit Abstand beliebteste Variante ist. Dementsprechend ist auch das Wahlergebnis ausgefallen. SPÖ und Grüne haben zugelegt, während die NEOS kaum zulegen konnten. Das zeigt klar: der Privatsierungskurs der NEOS findet bei den Wiener_innen keinen Anklang.
Das ist aber auch kein Argument für eine Koalition mit der ÖVP, die bei SPÖ Wähler_innen die mit Abstand unbeliebteste Variante wäre - und das zurecht. Wenn wir eine Koalition mit der FPÖ aufgrund inhaltlicher Differenzen ausschließen, dann können wir auch nicht in Verhandlungen mit einer Partei treten, die ihr Wahlprogramm bei der FPÖ abgeschrieben hat.
2.) In der Krise braucht es keine Experimente mit einer neoliberalen Partei:
Die NEOS haben seit ihrer Gründung einen klaren Kurs. Der lauteut: "Mehr Privat, weniger Staat." Sie wettern gegen den sozialen Wohnbau, eine öffentliche Pensionsversicherung und gegen Gewerkschaften.
Dabei bräuchte es im Moment genau das Gegenteil. Die Bundesregierung, allen voran die ÖVP, nutzt die Krise um die Verteilung von unten nach oben im Eiltempo voranzutreiben. Gerade jetzt braucht es eine gute Daseinsvorsorge. Leistbaren Wohnraum. Aber vor allem starke Gewerkschaften, die sich gegen die Angriffe der ÖVP wehren. Mit den NEOS ist nicht klar, wie das zu meistern sein wird.
Mit den NEOS hätte es ein rotes Wien niemals gegeben, denn das Menschenbild der NEOS ist mit dem der Sozialdemokratie nicht vereinbar.
Sie sprechen von Leistung, aber nicht von den unterschiedlichen Bedingungen, die Menschen in ihrem Leben vorfinden. Als Sozialdemokratie ist es unsere Daseinsberechtigung, genau diese Lebensbedingungen zu verändern und zu verbessern.
3.) Inhalte vor Strategie:
Die NEOS scheinen vor allem deshalb ein attraktiverer Koalitionspartner zu sein, weil ihnen ein Stadtrat weniger zusteht als den Grünen. Doch auch bisher haben die Grünen bewiesen, dass ein Ressort ausreicht, um der Stadt einen eigenen Anstrich zu verpassen. Wollen wir wirklich in Zeiten von Gesundheits-, Klima- und Wirtschaftskrise einen pinken Anstrich in unserer Stadt?
Wir sagen klar: In Wien darf es keine Zugeständnisse zu neoliberaler Politik geben!