25/05/2026
Geboren am 25. Mai 1895 in eine bürgerliche Wiener Familie wächst Valerie Wieselthier, genannt "Vally", in einem privilegierten Umfeld auf – samt Dienstpersonal, Sommerfrische und einem Abonnement der "Wiener Mode". Inspiriert von diesem prächtig illustrierten Magazin zeichnet sie schon als Kind elegante Frauenfiguren, schneidet sie aus und veranstaltet Partys mit den papierenen Damen. Unsere ist nicht nur kreativ, sondern auch durchsetzungsstark: Sie erstreitet sich eine – für Frauen nach wie vor nicht sebstverständliche – künstlerische Ausbildung und absolviert die Kunstgewerbeschule. 1919 holt Josef Hoffmann das junge Talent an die berühmte Wiener Werkstätte. Wieselthiers bunte Keramiken erfreuen sich großer Beliebtheit. Bald gründet sie eine eigene Werkstätte, wo sie Vasen, Plastiken, Töpfe, Öfen und vieles mehr produziert. Ihr verspielter Stil wird auch im Ausland bejubelt. Nicht alle vergönnen es ihr. So wünscht ein österreichischer Kritiker dem stark weiblich geprägten Kunsthandwerk "mehr Ernst, Kraft und Männlichkeit". Vally geht schließlich in die USA, wo sie ihre Karriere erfolgreich fortsetzt. Dieses Foto zeigt sie 1929 in New York, inmitten einer Serie von Keramik-Masken. Nach Österreich kehrt die Wienerin mit jüdischen Wurzeln nicht mehr dauerhaft zurück. Sie erkrankt an Magenkrebs und stirbt 1945 in New York.
Zum Bild: Vally Wieselthier und ihre neuen Masken. In: Die Bühne Nr. 227, S. 10
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bue&datum=1929&page=650