28/08/2024
Hier noch schnell eine Aufgabe zu erledigen, da noch ein Termin, den ich wahrnehmen soll, ach ja, die Kinder und der Hund wollen auch noch bespaßt werden und da ist dann auch noch das Dinner-Date mit meinem Mann ...
Volle Terminkalender - sowohl im Beruf als auch privat - lassen uns immer häufiger die essenziellen Dinge des MenschSEINs vergessen. Alles soll und muss schnell gehen, jede Sekunde einer Verschnaufpause könnte von anderen als Faulenzen angesehen werden und - ganz ehrlich - selbst fühlt man sich in solchen Situationen auch nicht wirklich wohl – man denke nur an das Warten in einer Kassa-Schlange. Bewusst nehmen wir uns viel zu selten die Zeit, um zur Ruhe zu kommen, den Blick nach innen zu richten. Erst dann, wenn uns ein Schicksalsschlag, äußere Umstände wirklich dazu zwingen, nehmen wir uns bewusst diese so wertvolle Zeit für uns, unsere wahren Bedürfnisse, legen den Fokus auf das Wesentliche, nehmen Tempo aus dem Alltagsgeschehen und hören vielleicht sogar mehr auf unser Herz als auf die Stimmen, die laufend in unserem Kopf herumschwirren.
Dem Innehalten liegt so unendlich viel Kraft zu Grunde – unser Atem wird bewusster, wir entdecken Kleinigkeiten im Alltag, die uns verzaubern, wir strahlen eine unvergleichliche Ruhe und Liebe auf unser Gegenüber aus und all die Kreativität, die in uns verbogen schlummert, kommt an die Oberfläche. So frage ich mich, warum darauf warten, dass ich zu solch positiven und hochschwingenden Erfahrungen gezwungen werde, wenn ich mich doch selbst dafür entscheiden kann. Was bedeutet mir die fünfte Louis Vuitton-Tasche, die nächste höhere Position, der noch exklusivere Urlaub? Welchen Stellenwert haben diese Dinge für mich im Vergleich zu innerem Frieden, der Ruhe in mir und der Liebe, die mit nichts anderem zu vergleichen ist? Und auch wenn diese äußeren Dinge einen hohen Stellenwert im Leben haben, so ist es doch die Stille, aus der die Kraft und das Schöpferische kommen.
So laden wir Sie ein, bewusst innezuhalten, wenn es auch nur für ein paar Minuten ist – es ist überall und jederzeit möglich.
Text und Foto: Martina Saurer, Ehrenamtliche Hospizbegleiterin