09/05/2024
Besuch aus Nürnberg in Gera: Städtepartnerschaft neu entfacht – „Sie soll wachsen wie ein Baum“
Die Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion besucht Gera vom 9. – 11. Mai. Die SPD-Fraktion im Stadtrat Gera begleitet diesen Besuch. Sie werden eine Stadtführung unternehmen, sich mit Oberbürgermeister Julian Vonarb treffen und eine Rundfahrt mit der Geraer Straßenbahn durchführen.
„Wenn uns die Nürnberger Stadtratsfraktion der SPD jetzt in schwieriger Zeit erneut besucht, wollen wir auch die gemeinsamen Partnerschaftsgeschichte betrachten und haben dazu den Oberbürgermeister Horst Jäger, der die Partnerschaft für Gera vereinbart hat, mit eingeladen“, erklärt Fraktionsmitglied Tilo Wetzel.
Als Statement für eine starke vergangene und zukünftige Städtepartnerschaft wird am Samstag 12.30 Uhr eine extra gepflanzte Winterkirsche am Nicolaiberg symbolisch übergeben. Beide Fraktionen beteiligen sich hälftig an den Kosten für Anschaffung, Pflanzung und Pflege des Baumes. Eine entsprechende Plakette wird zu einem späteren Zeitpunkt davon zeugen. „Die Städtepartnerschaften der Stadt Gera wurden in den letzten Jahren aus Kostengründen sehr reduziert. Wir möchten dazu beitragen, die Städtepartnerschaft nach Nürnberg wieder zu entfachen. Sie soll wachsen, wie ein Baum.“, erklärt Stadtratsmitglied Heiner Fritzsche
Zu einem parteiinternen Abend wird am 10.05.2024 ins Stadtmuseum eingeladen. „Am meisten freut uns“, so Fraktionsvorsitzende Monika Hofmann, „dass die Genossen uns am Samstag beim Wahlkampf unterstützen“. Die SPD Gera wird am Samstag, den 11.05.2024 ab 10 Uhr an den Gera-Arcaden stehen. Ab 13 Uhr werden die Nürnberger Genossen vor Ort sein.
Tilo Wetzel erinnert sich, wie es zu der Freundschaft mit Nürnberg kam:
Nach der Grenzöffnung am 09.11.1989 kam die Überlegung in der neu gegründeten SDP (Sozialdemokratische Partei in der DDR) auf, zur Nürnberger SPD Kontakt aufzunehmen. Am Abend des 10. November sind Jens Richter und Tilo Wetzel nach Nürnberg aufgebrochen.
„Das Erscheinen von zwei Geraer Sozialdemokraten hat in der Fraktion zu Staunen, Ungläubigkeit und tiefer Verwunderung geführt. Nach langen Gesprächen mit den Nürnberger Genossen kam es zu weiteren Einzelgesprächen mit dem Nürnberger Bundestagsabgeordneten Egon Lutz und der späteren Bundesministerin Renate Schmidt. Abschließend stellten die Nürnberger Genossen eine entscheidende Frage: Wie können wir helfen?“ so Tilo Wetzel, heute Mitglied der SPD-Fraktion im Stadtrat Gera.
„Was heute kaum noch nachvollziehbar erscheint: zu dem damaligen Zeitpunkt gab es, zumindest im Osten, weder Kopierer noch Fax. Handys waren auch im Westen noch eine Seltenheit. Die Möglichkeiten in Gera die Öffentlichkeit zu informieren, waren stark eingeschränkt. Wir druckten Flugblätter mit Wachsmatritzengeräten. Selbst dafür fehlte oft das Spezialpapier.“ so Wetzel.
Die beiden Geraer fuhren mit reichlich Material, vielen guten Wünschen und der festen Vereinbarung der weiteren Zusammenarbeit nach Gera zurück.
In der folgenden Zeit gab es umfangreiche Kontakte und materielle Unterstützung aus Nürnberg. So verbrachte Renate Schmidt von Weihnachten 1989 bis ins neue Jahr 1990 in Gera, um sich ein eigenes Bild vom „Osten“ zu machen, erklärt Wetzel die spannende Zeit.
Egon Lutz hat die Geraer SPD, die Umbenennung von SDP in SPD und den Zusammenschluss der Sozialdemokratie Ost und West erfolgreich am 6. Januar 1990, im Volkskammerwahlkampf 1990 durchgehend persönlich begleitet.
Die Kontakte nach Nürnberg waren später weniger intensiv. Zum Glück trug der ehemalige Oberbürgermeister Norbert Vornehm erheblich dazu bei, diese Kontakte erneut zu aktivieren.
Die Partnerschaft der Städte Gera und Nürnberg wurde schon 1988 geschlossen.