22/01/2025
Ich bin dann mal weg,
Oder warum ich „Deutschland ist so schlecht, ich wandere aus“ nicht verstehe.
Ist Auswandern der bessere Lebensentwurf? Sind diejenigen, die Auswandern die glücklicheren, oder sogar besseren Menschen?
Oder haben die Auswanderer einfach nur in Deutschland „nix auf die Kette gekriegt“, laufen einer Illusion hinterher und verwechseln 3 Wochen Strandurlaub mit dem richtigen Leben im neuen Land? (Und damit ist nichts gegen Strandurlaub gesagt)
Seit 5 Jahren lebe ich nun in Guatemala auf einer Kakaofarm inmitten einer indigenen Gemeinschaft.
Leben in einer indigenen Gemeinschaft bedeutet zuerst einmal, dass du nichts aber auch gar nichts verstehst. Weder die Sprache, noch die Kultur.
Die Sprache hier ist Qechi und ein wenig Spanisch. Das macht die Kommunikation zu Anfang schon mal wirklich schwierig.
Nicht nur weil ich die Sprache nicht spreche. Nein die kann man lernen, oder es zumindest versuchen.
Doch die größten Unterschiede und Herausforderungen liegen in der unterschiedlichen Sozialisierung. In der Zeit Art der Herausforderungen die die Menschen hier zu meistern haben.
Für mich ist das ganze finanzielle aufgrund meiner langen Berufstätigkeit in Deutschland kein Problem. Ich schaffe es nicht einmal, mehr als 500 Euro im Monat auszugeben. Und davon sind ca. 200 Euro in den Monaten April bis Juli, Strom für die Klimaanlage, wenn es hier wirklich warm (42+) Grad wird.
Das sieht für 98% der Menschen hier völlig anders aus. Und so bekommt das "Auswandern der Hühner aus dem Stall" für mich eine ganz andere Bedeutung.
Für mich ganz persönlich, ist Auswandern nicht Auswandern. "Aus" bedeutet ja von etwas weg. Für mich ist es hinzu und damit das Erleben von neuen, oft spannenden und oft bereichernden Inspirationen.
Mich hat der Satz des Häuptlings im Buch „Dschungelkind“ nicht mehr losgelassen.
Auf die Frage an ihn, als er im Sterben lag: „Möchtest du deinen Freund noch einmal sehen. Er ist sofort losgefahren, als er gehört hat. wie es dir geht und er ist morgen hier.“ War seine Antwort: Er ist ein guter Freund, ich habe ihn in meinem Herzen, doch ich freue mich noch mehr auf das Neue, auf das was kommt. Denn ihn kenne ich doch schon.
Und ein Grund hatte das Ziel Guatemala für mich natürlich auch noch. Kakao wächst nicht im Schwarzwald.
Und so geht es mir auch. Das Alte kannte ich schon. Ich hatte Lust auf etwas völlig Neues, auf etwas das mich wieder herausfordert und mir neue Möglichkeiten und auch Perspektiven aufzeigt. Das war für mich der Grund auszuwandern.
Ich arbeite hier mehr als in den letzten Jahren in Deutschland. Diese Arbeit ist körperlich anstrengender, erfüllt mich sehr und gibt MIR einen Lebensinhalt und Sinn.
Fazit: Auswandern, weil es am Strand so schön war, kann funktionieren. Doch für mich überwiegen andere Gründe.
Ich bin fest davon überzeugt, dass ich niemals von etwas weg gehen sollte, sondern immer auf etwas zu.
P.S Blumen Teppiche zu einem Fest.