07/04/2026
Zu dem vom Rostocker Friedensbündnis ausgerichteten Rostocker Ostermarsch am Karsamstag, 4. April 2026, steuerte die Rostocker Rote Runde einen Redebeitrag zum Thema "Frieden, Antifaschismus und Erinnerungspolitik" bei. Der Sprecher der RRR, Daniel L. Schikora, stellte heraus, dass auch auf lokalpolitischer Ebene Erinnerungsorte, die einen Bezug zum Fortleben des Faschismus aufweisen, durchgängig hart umkämpft waren - dies gelte für eine angemessene öffentliche Erinnerung an den Pogrom in Lichtenhagen 1992 ebenso wie für den Kampf um eine Mehmet-Turgut-Straße zu Ehren des 2004 vom NSU Ermordeten und die Verteidigung des Namens der Ilja-Ehrenburg-Straße, der periodisch von rechtsradikaler Seite zur Disposition gestellt wurde. Bemerkenswert sei, dass bis heute kaum an Beate, Serge und Arno Klarsfelds Demonstration der Solidarität mit den Roma nach dem Pogrom 1992 und die polizeistaatliche Willkür, der die Klarsfelds und ihre Mitstreiter in Rostock ausgesetzt wurden, erinnert werde. Sodann wurde anhand dreier aktueller Beispiele aufgezeigt, in welchem Ausmaße die über Jahrzehnte hinweg - selbst im Westen Deutschlands - erkämpfte antifaschistische Erinnerungskultur heute unter Beschuss gerät: Die Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung sei verstärkt revanchistischen Bestrebungen nicht zuletzt der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ausgesetzt. Der antikommunistische Buchenwald-Diskurs, die Rede von einem "'Mythos' der Selbstbefreiung", die es also gar nicht gegeben haben soll, feiert in deutschen Leitmedien fröhliche Urständ. Als Antidot gegen diesen antikommunistischen Geschichtsrevisionismus sei nach wie vor Emil Carlebachs Rede in Buchenwald 1995 zu empfehlen:
"[...] Und wenn es bisher nicht gelungen ist, diese unsere Gedenkstätte zu liquidieren, aus ihr eine Nazi-Walhalla zu machen, dann danken wir das vor allem Euch, die Ihr in aller Welt, in USA wie in Frankreich, in Israel wie in Dänemark, in Belgien, Holland wie hier in Deutschland selber, in kameradschaftlicher Solidarität mit uns diese unsere Gedenkstätte gegen alle Anschläge verteidigt habt. Und so soll es auch bleiben. [...]
Seit dem vergangenen Jahr seien die Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zudem einer Schmutzkampagne ausgesetzt, die darauf ausgerichtet sei, die Gedenkstättenleitung, namentlich Jens-Christian Wagner, zu diskreditieren. So würden Lügen und Verleumdungen verbreitet (Behauptung eines generellen Kufiya-Verbots). Die Kampagne wurde durch die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora / Freundeskreis und die VVN-BdA verurteilt, während sie (leit-)medial teilweise regelrecht begierig aufgegriffen wurde. "Summa summarum steht die Verteidigung antifaschistischer bzw. antinazistischer Gedenkkultur in engem Zusammenhang mit dem Friedenskampf - und ist letztlich Klassenkampf. Breitestmögliche Bündnisse und Vernetzung sind dringend vonnöten - bedenken wir dabei immer, dass die Gegenseite bereits national wie international gut vernetzt ist. Die Gewerkschaften und insbesondere die GEW müssen sich verstärkt an bildungspolitischen Vorstößen zwecks Verteidigung erinnerungskultureller Errungenschaften beteiligen, ebenso wie wir alle Studierenden und Dozenten unterstützen, die für die Erhaltung der aktuell nicht nur in Bayern unter Beschuss geratenen Zivilklauseln deutscher Unis und Hochschulen - nicht zuletzt an der Uni Rostock - eintreten."