30/08/2026
Hier unser aktueller Artikel mit vielen Zahlen zum E-Auto-Hochlauf in Deutschland und zur Einordnung eines Themas der Welt am Sonntag... https://www.cleanthinking.de/e-auto-kaufpraemie-debatte/
Und täglich grüßt das Murmeltier: Während die Elektroauto-Verkäufe durch die Decke gehen, beginnt die Auto- und Fossil-Lobby ihre nächste Attacke. Diesmal "exklusiv" gespielt über die Bild am Sonntag und Politikchef Peter Tiede höchstpersönlich. Logisch.
Hintergrund: Am Dienstag stellt die TU München ein White Paper vor, das den Titel trägt: „Defossilisierung statt Dekarbonisierung“. Die Argumentationskette dürfte ungefähr so lauten: Angeblich werden irgendwelche Emissionen beim Elektroauto nicht in die EU-Regulierung einbezogen, und deshalb sei es ja in Ordnung, einen technologie-offenen Ansatz zu fahren.
Würde man das machen, hätten auch Range Extender eine Chance, könnte die dubiose Begründung lauten.
Ganz witzig: Ganz ähnlich wie der Titel des White Papers "Defossilisierung statt Dekarbonisierung" lautete auch der Titel des Wiener Motoren-Symposiums im Jahr 2025: "Ernsthafte Defossilisierung braucht alle technisch möglichen Lösungen."
Und eine zentrale Aussage von Gastgeber Prof. Bernhard Geringer, TU Wien, lautet:
„Korrekt sollte das Ziel als ‚Defossilisierung‘ anstatt ‚Dekarbonisierung‘ bezeichnet werden. Um dieses Ziel erreichen zu können, brauchen wir vereinte Anstrengungen und die gesamte
physikalische Variantenvielfalt an klimaneutralen Energieträgern samt den dazu passenden Antriebstechniken.“
Man ahnt also, auch wenn in der Bild-Zeitung der Präsident der TU München sich zu der Studie äußert, wo die Argumentation herkommt: Aus der Verbrenner- und Motorenwissenschaft.
Es ist typisch Deutsch und typisch Lobby, dass immer dann, wenn der Hochlauf der Elektroautos durch die Decke geht und irgendeine Entscheidung der EU zum Thema Verbrenner-Aus bevorsteht, mit irgendwelchen Argumenten versucht wird, das Elektroauto schlechtzurechnen.
Es ist nicht bekannt, was die Damen und Herren Wissenschaftler - wie Peter Tiede mehrfach betont "Top-Wissenschaftler" - genau zusammengetragen haben. Das sehen wir dann am Dienstag in dem Whitepaper.
Klar ist: 19 Studien und zahlreiche Szenarien wurden systematisch ausgewertet. Wenn wir aber die Studienlage der letzten Jahre verfolgen, dann ist etwa durch den besseren Strommix der CO2-Rucksack des Elektroautos durch die Batterie immer kleiner geworden. Wenn man also einen Durchschnitt dieser Studien hernimmt, will man, dass dieser kleinere Fußabdruck kleingerechnet wird. Das ist offensichtlich einer der Tricks für die eigene Argumentation .
Noch ein Aspekt: Diese Aussage, auch Range Extender hätten eine Chance, stammt von dem Wiener Motoren-Symposium. Nur: Es zeigt sich in China, dass Fahrzeuge mit Range Extender durch die Verbesserung der Batterien nach kurzem Boom schon wieder unattraktiv werden. In Deutschland werden Fahrzeuge mit Range Extender staatlich gefördert - aber niemand kauft sie.
Und: Wie sagt Wirtschaftswoche-Redakteur Stefan Hayek so schön: "Die schwächlichen Zusatzantriebe würde am Ende aus Kostengründen eh wieder China bauen. Auch, wenn man sie „Range Extender“ nennt."
Wenn also hier industriepolitisch argumentiert wird, man müsse unbedingt noch den Verbrenner erhalten, dann hat das einen klaren Logikfehler.
Das ist keine Studie, das ist eine Kampagne mit Fußnoten. Getimt auf die Brüsseler Abstimmung im November, exklusiv platziert beim lautesten Blatt des Landes. Wer so arbeitet, hat fossile Panik. Angst also nicht vor falschen Zahlen, sondern vor den richtigen: 370.000 private E-Auto-Zulassungen allein in Deutschland, doppelt so viele wie im Vorjahr.
Die Deutschen wollen Elektroautos.
Die Europäer wollen Elektroautos.
Weltweit will man Elektroautos.
Der Markt hat längst entschieden.