16/11/2025
Journalistin stellt Pegnitzer Bürgerinnen und Bürger unter Generalverdacht
Sehr geehrte Frau Engelbrecht
mit Bestürzung habe ich den Kommentar zur versuchten Brandstiftung am Fahrzeug unseres Bürgermeisters gelesen. Dass ein solcher Angriff entschieden zu verurteilen ist, steht außer Frage. Gewalt hat in der politischen Auseinandersetzung – und gerade in der Kommunalpolitik – keinen Platz.
Was ich jedoch nicht akzeptieren kann, ist der pauschale Verdacht, der in Ihrem Kommentar gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern ausgesprochen wird. Die Aussage, jeder, der sich in den sozialen Medien nicht ausdrücklich vom Angriff distanziere, heiße diese Tat gut, unterstellt der gesamten Bevölkerung eine stillschweigende Zustimmung zu dieser nicht hinzunehmenden Straftat. Das ist nicht nur unfair, sondern spaltet zusätzlich.
Menschen haben vielfältige Gründe, warum sie sich öffentlich – besonders in sozialen Netzwerken – nicht äußern: Viele möchten nicht in politische Debatten hineingezogen werden, andere wissen vielleicht gar nicht, was passiert ist, und wiederum andere lehnen zwar Gewalt klar ab, möchten aber nicht alles, was in der Öffentlichkeit geschieht, kommentieren müssen. Aus all dem eine moralische Verpflichtung zur öffentlichen Distanzierung abzuleiten, sehe ich problematisch.
Wer das Schweigen anderer automatisch als Zustimmung wertet, lässt keinen Raum mehr für differenzierte Meinungen. Genau diese Differenzierung ist aber die Grundlage einer demokratischen Debattenkultur. Statt Misstrauen zu schüren, sollten wir uns bemühen, sachlich zu bleiben und nicht die Bevölkerung gegeneinander auszuspielen. Es sei denn, Sie wollen auf dem Rücken dieser Tat Wahlkampf betreiben.
Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam aufpassen, dass ein ohnehin erschreckender Vorgang nicht zusätzlich instrumentalisiert oder emotional überhöht wird. Was wir brauchen, ist Besonnenheit – nicht Generalverdacht und ein Miteinander bei den Problemlösungen zu Gunsten unserer Stadt.