06/06/2026
So, so, Ministerpräsdident Schnieder ist im Pharma-Schock. Zwei Pharma-Konzerne sind es, die im die Schweißperlen ins Gesicht treiben, Eli Lilly und Boehringer. Die beiden Pharmariesen sind so erbost über die Bundespolitik (Gesundheitsreform), dass sie Investitionen hierzulande streichen oder deutlich zurückfahren.
Eli Lilly will in die neue Alzeyer Produktionsstätte statt rund 2,5 Milliarden US-Dollar nur noch die Hälfte investieren, weil das Unternehmen mit den Sparplänen der Bundesregierung in der Gesundheitspolitik so gar nicht einverstanden ist. Im Ergebnis heißt das weniger Jobs in Alzey. Werden es anstatt bis zu 1.000 Arbeitsplätze auch nur noch die Hälfte sein? Der in Ingelheim ansässige Pharmakonzern Boehringer Ingelheim, will die für deutsche Standorte geplanten Investitionen von 900 Millionen Euro gleich komplett streichen. Das trifft Rheinland-Pfalz ebenfalls hart, da Ingelheim der größte deutsche Standort des Unternehmens ist.
Ist es deshalb richtig, wenn Schnieder auf Änderungen an der Gesundheitsreform drängt? Zahlenmäßig scheinbar ja. Aktuell leisten die Pharmaunternehmen Rekordbeiträge (etwa 29 Milliarden Dollar) über Zwangsabschläge und Rabattverträge. Diese sollen noch weiter steigen. Wer die Preise für Medikamente mit anderen Ländern vergleicht wird aber schnell feststellen, dass in Deutschland auch mit unverschämten Gewinnspannen gearbeitet wird. Keine Wunder also, wenn auf diese Art und Weise Preise weiter gedrückt werden sollen. Wie wäre es denn alternativ mit einer grundlegenden Preiskontrolle? Forschungskosten plus Produktionskosten plus angemessene Gewinnspanne als Grundlage für die Preiskalkulation?
Eine weitere "Belastung" für die Pharmakonzerne ist das sog. Preismoratorium, hinter dem sich lediglich verbirgt, dass die Preise um nicht mehr als die Inflationsrate angehoben werden dürfen. Wir sagen es einmal so, viele Bürger würden sich glücklich schätzen, wenn sie ihre Einnahmen um die Inflation anheben könnten und dürften. Da drohen Branchenverbände (wie BPI und vfa) schon mal gleich, dass sich Hersteller wegen der rigiden Preispolitik aus dem deutschen Markt zurückziehen könnten und neue Medikamente Patienten hierzulande später oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen.
Wo man mit der Pharmaindustrie allerdings einer Meinung sein kann, dass die existierende Nationale Pharmastrategie, die den Forschungs- und Produktionsstandort Deutschland eigentlich stärken und beschleunigen soll, in deutlichem Gegensatz zu den Plänen der Gesundheitsreform steht. Also kehrt marsch? Eine schwierge Frage, laut Gesundheitsministerin Warken wurden die Lasten gleichmäßig auf alle Schultern (Patienten, Apotheken, Pharmaindustrie, Ärzte etc.) verteilt. Mal abgesehen davon, dass nicht nur wir die Auffassung vertreten, dass die Pharmaindustrie, dabei eher gut weggekommen ist, würde ein weiteres Entgegenkommen bedeuten, dass die anderen Beteiligten stärker belastet werden müssen. Das wird bei diesen sicher nicht auf begeisterte Zustimmung stoßen.
Dass die Pharmaindustrie hier Druck macht und - wie der Spiegel titelt - die Gesundheitsreform torpediert, hat natürlich mit der Macht der Pharma-Lobby zu tun. Investitionen zu streichen ist da ein beliebtes Druckmittel, das Politiker ängstigt und empört. Fragt sich allerdings, ob die Bundesregierung nicht doch einknickt (und Landesfürsten wie Schnieder, denen finanziell das Wasser bis zum Hals steht sowieso). Dabei trägt sie erhebliche Schuld daran, dass sie derart erpressbar ist. Der Standort Deutschland wird im globalen Wettbewerb zunehmend unattraktiv. Deindustrialisierung droht nicht nur im Bereich der Pharmaindustrie. Und mal abgesehen von der generell schlechten Politik von Merz & Co, wer das Geld in Massen für Aufrüstung und die Ukraine zum Fenster rauswirft, der hat eben kein Geld mehr um den Standort für seine Bürger und die Wirtschaft attraktiv zu erhalten.
Quellen: https://epaper.saarbruecker-zeitung.de/api/sharing/article/pfalzischermerkur6a245c3cc8bcd5.02640970-bbe93d3f63cf9 und
https://epaper.saarbruecker-zeitung.de/api/sharing/article/pfalzischermerkur6a245c922a2fb7.02595843-ab47d51603183