04/08/2022
Kommentar zum Artikel aus den quintessenz news "Frauen fordern: Wir brauchen gesetzliche Regelungen"
Für die berechtigten Forderungen der Kolleginnen, in den Gremien der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und der Zahnärztekammern vertreten zu sein, bringe ich tiefstes Verständnis auf. Wenn ich aber lese, dass die Spitzenfrauen aus dem Gesundheitsbereich gesetzliche Regelungen fordern und sich für die paritätische Besetzung der Wahllisten und die Quote aussprechen, dann komme ich doch ins Grübeln.
Bemerkungen wie „männerdominierten Organisationen“ und „Frauen müssen nicht als Feigenblatt dafür herhalten, dass eine ausreichende Repräsentanz von Frauen nicht sichergestellt werden muss“ helfen da sicher nicht weiter.
„Was erwarten wir als Realist:innen von diesem Wahlturnus in der Selbstverwaltung? Es werden wieder zu wenige Frauen gewählt werden.“ Ja warum ist das denn so? Ich habe vor einigen Jahren mit Kolleginnen und Kollegen den „Verband aller Zahnärzte in Bayern e. V.“ gegründet. In der Satzung haben wir 2018 festgelegt, dass die Besetzung in den Gremien der Selbstverwaltung paritätisch zu erfolgen hat. Hätten wir die Wahl gewonnen, gäbe es in der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns in der nächsten Legislatur eine Vorständin und auch eine Vorsitzende der Vertreterversammlung.
Nicht dass sich unser Verband nicht bemüht hätte: die Wahlliste war paritätisch besetzt und auch auf anderen Listen waren viele Frauen zu finden. Und das Ergebnis der Wahl? Von 45 möglichen Delegierten sind lediglich sechs Frauen gewählt worden! Ich meine, da bringt uns eine Diskussion um die Aufteilung von Sorgearbeit und Erwerbstätigkeit zwischen den Geschlechtern nicht weiter. Ich kenne eine Reihe von taffen Frauen, die es trotz Familie und Kindern hinkriegen würden, ein Ehrenamt zu bekleiden. Und das würden sie auch gerne tun.
Mein Fazit: Die Frauen haben nicht gewählt. Und wenn sie gewählt haben, dann haben sie möglicherweise falsch gewählt. Über die Gründe dafür muss man diskutieren. Eine gesetzliche Regelung halte ich momentan für den falschen Weg.
Spitzenfrauen aus dem Gesundheitsbereich sprechen sich für die paritätische Besetzung der Wahllisten und die Quote