02/11/2025
Artikel November 25 der Naturschutzgruppe Borchen
Spinnen in unserer Region
Eine kleine Einführung
Der Herbst hält Einzug ins Land. Die Zeit, dass manche Spinnen zum Überwintern Häuser aufsuchen. Ließ der Altweibersommer noch winzige Spinnchen bestaunen, wie sie sich an glitzernden Fäden vom Wind forttragen ließen, haben manche Mitmenschen nun andere Gefühle dazu.
Anlass, sich etwas der hiesigen Spinnen zu erinnern, deren Vorläufer vor ca. 500 Millionen Jahren schon Teil des Ökosystems Erde waren. Beinahe auf Schritt und Tritt begegnen uns einige der 1000 Spinnenarten Deutschlands, nur bemerken wir sie meist nicht. Spinnen meiden unsere Gesellschaft und leben eher versteckt in Natur und häuslichem Umfeld. Wer denkt schon daran, dass die vermeintlich ekligen Tiere zur Pflanzenbestäubung beitragen und ökologisch wichtige Regulatoren sind. Daneben sind Spinnen in vielen Aspekten des Lebens von wachsender Bedeutung – ihr Potenzial in Medizin, Industrie und deren Nachhaltigkeitsbestreben. Besseres Verständnis biologischer Eigenschaften liefert immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse, z.B. Spinnseide bei der medizinischen Wundversorgung.
Spinnentiere, ob 2 mm oder 10 cm, (somit auch Weberknechte, Milben und Skorpione), haben 8 Beine, Insekten nur 6.
Ihr zweigeteilter Körper besitzt vorn angesetzt 8 Laufbeine, 2 Tastbeine, 2 Giftklauen und 8, oft unterschiedlich große, Augen. Durch einen dünnen Stiel verbunden, trägt der empfindliche Hinterleib bauchseits Atmungs- und Genitalorgane sowie Spinndrüsenpaare, die endlose Spinnfäden produzieren. Gelenke verleihen höchste Beweglichkeit. Feinste, bis stachelige Tasthärchen dienen der Orientierung. Schlicht braun oder poppig bunt, grafisch präzise Zeichnung oder Camouflage. Spinnen sind in jeder Hinsicht vielfältig.
Die Männchen, meist viel kleiner, langbeiniger und schlanker als Weibchen, haben Tastbeinenden mit knubbelig verdickten Speicherorganen, die für die überaus komplizierten, teils tödlich endenden Begattungsrituale Spermien beinhalten.
Bis über 100 Eier legen Spinnen in Seidenkokons ab. Ihre Lebenserwartung variiert je nach Art und Biologie von wenigen Monaten über mehrere Jahre. Spinnenähnliche, federleichte Gebilde in Winkeln und Gespinsten, sind abgestreifte Haut der lebenslang wachsenden Tiere.
Hierzulande denkt man beim Thema Spinne meistens an die Haus-Winkel- oder Kellerspinne als Schrecken der Hausbewohner und die große Zitterspinne, die unsere Behausungen überall erobert hat. Die Winkelspinne, sicher kein Kuschelideal, fängt uns aber Fliegen und Schadinsekten weg. Ist keine Beute mehr da, wandert sie ab. Sie meidet uns, wo es geht, kann uns nicht beißen und überlebt in trockenem Milieu nicht lange. Zitterspinnen fühlen sich in jedem Haus wohl, wo sie, immer Fäden mit sich ziehend, nachts Jagd auf alles machen, was sich findet. Selbst viel größere Spinnen wie z.B. Winkelspinnen erbeutet sie.
Die Arten teilen sich unterschiedliche Lebensräume. Beuteschema sind Insekten und Spinnen. So lauern z.B. Gartenkreuzspinnen in täglich erneuerten kunstvollen Radnetzen über dem Boden, oder Baldachinspinnen, deren Netze horizontal gespannt, teils kreuz und quer, scheinbar ohne jede Ordnung, in Büschen angelegt sind. Trichternetze werden am Boden gesponnen, Wohn- und Lauerröhren gewebt, selbst Gespinstdeckel, unter denen Tapezierspinnen warten.
In Fangfäden geraten, hat ein Beutetier kaum Chance auf Flucht. Es wird durch Giftbisse gelähmt oder erst eingesponnen und dann getötet. Rasend schnell spinnt z.B. die farbenfrohe Wespenspinne ihre Beute im Netz ein. Häuser sind Jagdgrund kleiner Spinnchen. Spinnseide, hauchdünn, vielmals stabiler als Stahl, ist sehr dehnbar und reißfest. Enorm vielseitig, kann sie klebrig zum Fang, Rahmen für Netze, Absturzsicherung, Wohnröhre oder schützender Eierkokon sein. Alte Spinnseide wird wieder gefressen.
Jagdspinnen wie die Wolfspinnen und die Springspinnen mit ihrem exzellenten Sehvermögen halten es da ganz anders. Sie jagen ohne Netz aktiv ihre Beute. Aber auch sie haben immer einen Sicherungsfaden, mit dem sie sich an den Untergrund heften. Man kann nie wissen.
Krabbenspinnen hingegen lauern reglos unter ausgewählten Blüten, deren Farbe sie zur Tarnung annehmen können. Insekten werden beim Landen blitzschnell gepackt. Speispinnen, 5 mm klein, schleudern eine klebrige Substanz zielgenau auf ihre Beute und machen sie bewegungsunfähig. Letztlich lebt und jagt eine Spinnenart sogar unter Wasser in einer luftgefüllten Gespinstglocke.
In Deutschland gibt es nur eine Spinnenart, den Ammendornfinger im südlichen Schwarzwald, dessen Gift Krankheitssymptome auslösen kann. Meist verschwinden Beschwerden nach wenigen Tagen wieder.
Bitte fangen Sie Spinnen in der Wohnung ein und lassen sie draußen in ihren Lebensraum frei, wie auch es auch alte Keller, Schuppen oder Lager sind. Die Natur dankt es.