08/06/2026
Ich werde oft gefragt: Was leisten eigentlich Betreuungskräfte?
Ich bin jedes Mal über diese Frage verwundert, aber sie zeigt mir, dass wirklich etwas fehlt: Sichtbarkeit.
Dabei denke ich nicht, dass diese Frage böse gemeint oder abwertend ist. Es fehlt wirklich einfach die Sichtbarkeit.
Betreuung ist essenziell und aus dem Alltag der Menschen nicht wegzudenken. Oft denken viele, Betreuung sei nicht so wichtig. Was tun die eigentlich den ganzen Tag? Kaffee trinken und spazieren gehen, basteln und malen, im Grunde Händchen halten und Spiele spielen.
Das stimmt auch, aber gerade darin liegt eine ganz besonders wichtige Aufgabe: den zu betreuenden Menschen einen Alltag erleben zu lassen. Ich persönlich finde, dass gerade die mitmenschliche Begegnung besonders wichtig ist.
Auch viele Pflegekräfte wissen das. Sie pflegen nicht nur, sondern begleiten, betreuen und leben den Alltag mit den Menschen, die sie pflegen.
Betreuungskräfte unterstützen den Pflegealltag und begleiten die Aufgaben, die nicht fehlen dürfen. Denn es braucht jemanden, der Zeit hat, tröstet, zuhört, die Hand hält und Herzen erreichen kann. Wichtig ist auch ein Mensch, der weiß, was gestern war, heute aktuell ist und morgen vielleicht noch trägt. Dazu gehört, die Biografie zu kennen und zu wissen, was am liebsten gegessen und getrunken wird, wie viel Zucker in den Kaffee oder Tee gehört oder ob keiner hineinsoll.
Man braucht jemanden, der auch beim zweiten oder dritten Mal noch mitlachen kann, obwohl er den Witz schon gehört hat.
Ebenso braucht es einen Menschen, der einem Gespräch weiterhin interessiert folgt, obwohl er es nicht zum ersten Mal begleitet, und Wertschätzung schenkt, wenn Worte oder Erinnerungen fehlen.
Für mich ist Betreuung mehr als das, was sich vielleicht jemand denkt oder von außen sieht. Sie ist ein wertvoller Bereich im Leben, der einem Menschen Menschsein schenkt.
Genau das leisten Betreuungskräfte. Jeden Tag.
Und ja, ich möchte Betreuung sichtbar machen.
Warum?
Weil Betreuung mehr ist und sichtbar werden darf – für jeden.
Esther Lauterbach