18/03/2026
SCHILLERBRUNNEN an der Schillerschule
Ein Brunnen mit einem Schiller-Relief steht an der Mauer der Schillerschule in der Mörscher Straße - der verdeckt von parkenden Autos eher ein Schattendasein fristet.
Er wurde 1922 errichtet, nach jahrelangen Querelen und Standortdiskussionen – die Sandsteinstele sollte an einen (abgeblichen) Frankenthal-Besuch des jungen Dichters in der damaligen Glockengießerei Schrader erinnern. Der Dichter war nach seiner Flucht nach Mannheim 1782 für mehrerre Wochen inkognito in Oggersheim. Es ist daher denkbar, dass er in dieser Zeit auch die benachbarte kurpfälzische „Fabriquenstadt"
Frankenthal besuchte. Belege dafür gibt es allerdings nicht.
In der Denkmaltopographie der Stadt ist der Brunnen mit dem Relief beschrieben als „schlichte, gesockelte und übergiebelte Stele mit bronzener Profildarstellung des Dichters Friedrich Schiller (1759 - 1805). Der Brunnensäule vorgestellt ist ein kleines Becken. Errichtet in Andenken an Schil-
lers Besuche in Frankenthal vom nahen Oggersheim aus".
Schon 1905 war überlegt worden, ein Schillerdenkmal in Frankenthal zu errichten - in diesem Jahr wurden anlässlich des 100. Todestages deutschlandweit Schillerfeiern abgehalten. So auch am 9. Mai 1905 in Frankenthal. Ein Ausschuss wurde gebildet, Geld wurde gesammelt. Es kam zu einer erhitzten Debatte über den Standort.
Bei der Initiierung des Projektes war der Standort vor dem Speyerer Tor genannt worden, dann kam der der Stadt projektierte Stadtpark ins Spiel. Nun aber bevorzugte das
Komitee die Aufstellung in der Westlichen Ringstraße, in der Baumreihe vor dem Reallehrinstitut, gegenüber der Volksbank. Und auch der Paradeplatz (Röntgenplatz) kam als Option hinzu.
Die Schillerschule, wo heute der Brunnen steht, wurde erst 1921 so benannt. Die Errichtung der Einfriedung, in der der Brunnen heute steht, entstand in den Jahren 1912/13 mit damals noch übergiebeltem Friedhofstor mit viertelkreisförmiger Sitzbank, einem Pavillon sowie den Mauern entlang der Mörscher- und nördlichen Lindenstraße.
Im Juni 1922 schließlich wurde in dieser Umfassungsmauer der Schillerschulhauses dann der Schillerbrunnen errichtet. Der
endgültige Entwurf hierzu stammte vom Stadtbauamt. Mit der Ausführung der Steinarbeiten wurde Bildhauer Schramm aus
Leistadt beauftragt.
DER KÜNSTLER
Das auf der Sandsteinstele angebrachte Relief, Kopf des jungen
Schiller, wurde von Akademieprofessor Bernhard Bleeker aus München geschaffen. Im gleichen Jahr (1922) wurde ein ebenfalls von Bleeker geschaffener Gedenkstein zu Ehren Johannes Klein, Mitbegründer der Firma KSB, auf dem Hauptfriedhof errichtet.
Für den Entwurf des Brunnens war Hans Schwegerle,
Bildhauer und Medailleur aus München, zuständig.
Josef Bernhard Maria Bleeker (* 26. Juli 1881 in Münster; † 11. März 1968 in München) zählte zu den Hauptvertretern der sogenannten Münchener Bildhauerschule. Er war Bildhauer, Medailleur, Maler und Entwurfszeichner für Glasmalerei. Bernhard Bleeker war, wie viele seiner Bildhauerkollegen an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, vom Stilerbe des 19. Jahrhunderts beeinflusst.
Als Professor an der Münchner Kunstakademie fand er im Dritten Reich starke Beachtung und Wertschätzung und war an nationalsozialistischen Großprojekten und Wettbewerben beteiligt. Bleeker stand mit seiner Gestaltungsweise in keinem Widerspruch zur Kunstauffassung der Nationalsozialisten und war somit geeignet, mitzubauen am Fundament der neuen „Staatskunst“, wenngleich seinen Werken nur selten der Charakter spezifisch nationalsozialistischer Ideologie innewohnte. In den Jahren nach 1945 wurde es still um ihn: Bleeker war als entnazifizierte Person des kulturellen öffentlichen Lebens in Ungnade gefallen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Bleeker
Hans Schwegerle (* 2. Mai 1882 in Lübeck; † 3. September 1950 in München) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Schwegerle
(Fotos: Müller/Grabdenkmal: Wikipedia free/Altera levatur)