27/03/2026
Unvergessen - Erinnerung und Mahnung
Am 27. März 2026 beim Denkmal am Hutholz gedachten Antifaschistinnen und Antifaschisten, Bürger aus Chemnitz und Neukirchen, den vor 81 Jahren Ermordeten.
Folgende Worte mit Bezug zu gegenwärtigen Gesellschaftlichen Veränderungen und historischen Ereignissen wurden gesprochen:
"Liebe Antifaschisten und Antifaschistinnen, liebe Chemnitzer und Chemnitzerinnen, liebe Neukirchner und Neukirchnerinnen,
Heute sind wir hier um den Ermordeten zu Gedenken. Lassen Sie mich diejenigen benennen, denen das Denkmal gewidmet ist. Auf dem Mahnmal steht:
»An dieser Stelle wurden am 27. März 1945 die standhaften antifaschistischen Widerstandskämpfer Albert Hähnel, Alfons Pech, W***y Reinel, Max Brand, Walter Klippel, Max Krusche, Albert Junghans von der Gestapo meuchlings ermordet. Ruhm und Ehre ihrem Andenken.«
Albert Hähnels Name wurde ein zweites Mal ausgelöscht. Wie dies geschehen konnte werden Sie erkennen.
In der Bundesrepublik nehmen die rechtsradikalen und neonazistischen Vorfälle und Straftaten immer mehr Fahrt auf. In einem Land, dass sich offiziell als Rechtsnachfolger des sogenannten 3. Reiches sieht und zugleich die Last eines durch Hi**erdeutschland entfesselten Weltkrieges mit über 60 Millionen Toten tragen muss. Über und über Opfer, Männer, Frauen und Kinder, in Konzentrations- und Vernichtungslagern der N***s, der Holocaust mit über 6 Millionen Ermordeten, hunderttausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, verhungert, erschlagen, im Bombenhagel getötet.
Mit dem unvergesslichen Tag der Befreiung am 8. Mai 1945 vom Grauen des Krieges und der Vernichtung folgten die Mehrzahl der Menschen in ganz Deutschland dem Schwur der Buchenwaldhäftlinge:
"Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!"
Nach den Kriegsverbrecherprozessen oder schon mit ihnen begann eine zweigeteilte Entwicklung in Deutschland. Im Osten wurde einer antifaschistischen Ordnung nicht nur Leben eingehaucht, sondern die Entnazifizierung in der Gesellschaft, u.a. durch Antifaschisten und Kämpfer gegen den Faschismus in Verwaltung, Justiz und Polizei sowie Neulehrer vorangetrieben.
In den drei Westzonen und später in der Bundesrepublik Deutschland wurden mehrheitlich die alten Beamten im staatlichen Machtapparat übernommen. Exemplarisch die Weiterbeschäftigung von Globke als Staatssekretär, Filbinger als Ministerpräsident, Gehlen als Chef des neuen Geheimdienstes, Heusinger als Generalinspekteur der Bundeswehr, Buback als Generalbundesanwalt, Schleyer als Arbeitgeberpräsident. Kasernen der Bundeswehr und Straßen sowie Plätze tragen oder trugen Namen von nazistischen Parteigängern oder Offizieren und Generälen, z.B. von Manteuffel, Moeller, Freiherr v. Fritsch, Rommel, Lent, Marseille, Lilienthal.
In der Folge der Wiedervereinigung kamen sogenannte Aufbauhelfer und "Neubürger" in den Osten, wie z.B. der Gymnasiallehrer Höcke ("Er ist ein N**i"), der Richter Meyer, der Oberst der Bundeswehr Paderski, der Bundeswehrfallschirmjäger-Oberfeldwebel Kalbitz. Sie zeichnen hauptsächlich mitverantwortlich für den Aufbau rechter sowie (neo)-nazistischer Strukturen und Parteien in den neuen Bundesländern.
Der gesellschaftliche Umbruch wurde im Osten begleitet von einem Sturm zur Tilgung des Vermächtnisses von Antifaschisten und deren öffentlich-mediale Diskreditierung. Erinnerungsorte, Straßen und Denkmäler für Menschen, die für ihre Überzeugung und ihren Kampf gegen den Faschismus Folter, Haft oder auch den Tod erfuhren, wurden gestohlen, entfernt bzw. geschleift. Ein Angriff auf ein Wertesystem vieler Menschen, das zugleich auch Bestandteil deren Lebensleistungen mit antifaschistischen Traditionen ist. Dem ist immer wieder zu begegnen. Man hebt die aktuellen Fakten zum erstarken rechter und nazistischer Umtriebe und Entwicklungen aufs Tapet und verbannt die geschichtlichen Fakten über deren Ursachen im Keller des Vergessen.
Unvergessen, auch wenn allein in Chemnitz nach 1990 eine durch nichts zu rechtfertigende Straßennamenstürmerei stattfand, Gedenktafeln zerstört oder entfernt und vor allem Schulen ihres antifaschistischen Erbes beraubt wurden. Allein für Chemnitz stehen über 30 getilgte Straßennamen und über 15 getilgte oder mit dem Abriss der Schulen verschwundene Schulnamen.
Euer Kampf war nicht umsonst und die Erinnerung wird unauslöschlich bleiben.
Durch Umbenennung der Albert-Hähnel-Straße wurde der Widerstandskämpfer ein zweites Mal ausgelöscht. Es sollte kein Erinnern mehr geben, sein Erbe sollte getilgt werden, sein Name verschwinden. Was die Gestapo mit Gewehrkugeln begann, vollendeten Bürokraten und Demokraten durch einen Verwaltungsakt.
Folgende Straßenamen von Antifaschisten wurden aus dem Chemnitzer Stadtbild zielgerichtet entfernt:
Albert-Hähnel-Straße
August-Friedel-Straße
Dimitroffstraße
Dr.-Otto-Nuschke-Straße
Dr.-Richard-Sorge-Straße
Erich-Weinert-Straße
Emil-Mehner-Straße
Ernst-Schneller-Straße
Ernst-Thälmann-Straße
Fritz-Große-Straße
Fritz-Heckert-Platz
Fritz-Heckert-Straße
Fritz-Sxhmenkel-Straße
Georg-Garreis-Straße
Hans-Beimler-Straße
Helmut-Just-Straße
Johannes-R.-Becher-Straße
Johann-Riesner-Straße
Julian-Marschlewski-Straße
Karl-Winter-Straße
Kurt-Berthel-Straße
Kurt-Fischer-Straße
Kurt-Wieland-Straße
Max-Hoelz-Straße
Max-Krug-Straße
Otto-Schütze-Straße
Otto-Grotewohl-Straße
Paul-Matz-Straße
Rudolf-Harlaß-Straße
Wilhelm-Pieck-Straße
und auch der
Platz des 8.Mai.
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Es gilt das gesprochene Wort.