11/06/2026
Jean Ziegler ist heute im Alter von 92 Jahren verstorben. Mit ihm verlieren wir einen der profiliertesten Kapitalismuskritiker, einen herausragenden Autor und eine wegweisende Leitfigur für soziale Bewegungen, Gewerkschaften und Befreiungskämpfe weltweit.
Zieglers politischer Kompass wurde früh gepolt: Unvergessen bleibt eine Anekdote aus dem Jahr 1964, als der junge Schweizer in Genf als Chauffeur für Ernesto „Che“ Guevara im Einsatz war. Auf Zieglers Bitte, sich der kubanischen Revolution anschließen zu dürfen, erteilte ihm der Comandante eine Absage: Er solle hier bleiben, im „Herzen der Bestie“, und dort kämpfen, wo er ist.
Jean Ziegler nahm sich diesen Rat zeitlebens zu Herzen. Er wählte den Weg der „subversiven Integration“ in die Institutionen. Als Soziologe, Genfer Nationalrat für die Sozialdemokraten und später als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung nutzte er jede Bühne, um den Herrschenden den Spiegel vorzuhalten.
„Ein Kind, das am Hunger stirbt, wird ermordet.“ Dieser weltberühmte Satz Zieglers fasst das Elend des globalen Kapitalismus zusammen. Er zeigte unmissverständlich auf, dass der massenhafte Hungertod in einer Welt des Überflusses kein Naturereignis ist, sondern das Resultat der kapitalistischen Weltordnung.
Ziegler legte sich mit mächtigen Akteuren des globalen Kapitals an. Seine kompromisslose Haltung brachte ihm die Feindschaft des bürgerlichen Establishments ein. Während Kritiker ihm vorwarfen, er schieße „oft übers Ziel hinaus“, wissen alle, die die Welt klarer sehen: Er schoss nie daneben.
Für die KPÖ und für alle, die für eine gerechtere Welt kämpfen, wird Jean Ziegler in lebendiger Erinnerung bleiben. Sein Credo bleibt unser Auftrag: Der gemeinsame Einsatz für Gerechtigkeit ist das eigentliche sinnstiftende Element im Leben. Seine Bücher und seine Ideen werden im Kampf für die Sache des Sozialismus weiterleben.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Weggefährten, Freunden und seiner Familie: Hasta la victoria siempre, Jean Ziegler.