Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost

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Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost Eine jüdische Organisation, die sich für Frieden und Gerechtigkeit in Nahost einsetzt Alle Menschen sind gleich an Rechten geboren. V.

Selbstverständnis

Wir, Frauen und Männer jüdischer Herkunft in Deutschland, haben uns vereinigt, um sichtbar zu machen, dass wir aus den historischen Erfahrungen unserer Vorfahren um die Entwürdigung und den Schmerz wissen, die Menschen zugefügt werden, wenn sie systematisch ausgegrenzt und entrechtet werden. Es darf sich kein Volk über ein anderes Volk und kein Mensch über einen anderen Menschen erheben. Unsere Vereinigung mit dem Namen Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost – EJJP Deutschland e. (im Folgenden Jüdischen Stimme) wurde im Jahre 2003 in Berlin ins Leben gerufen und im Jahre 2007 in einen gemeinnütziger Verein überführt. Sie ist die deutsche Sektion der im Jahre 2002 in Amsterdam gegründeten Föderation, „European Jews for a Just Peace“. Die „Erklärung von Amsterdam“ (Amsterdam Declaration), auf die sich Vertreter und Vertreterinnen von 18 Friedensorganisationen aus neun Ländern Europas bei der Gründungsversammlung verständigten, ist neben dem vorliegenden Selbstverständnis und der in Berlin beschlossenen und gerichtlich bestätigten Vereinssatzung die Basis auch für die Arbeit der Jüdischen Stimme in Deutschland. Die Jüdische Stimme verurteilt die seit 1967 andauernde Besetzung der Westbank einschließlich Ostjerusalems sowie die Abtrennung des Gazastreifens von den übrigen Gebieten Palästinas durch den israelischen Staat als einen nicht hinnehmbaren Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen, gegen das Völkerrecht und gegen alle Beschlüsse der Vereinten Nationen dazu. Die tagtägliche Besetzungspraxis greift in alle Lebensbereiche des palästinensischen Volkes in den besetzten Gebieten ein und hat nachhaltig zerstörerische Wirkung. Die Gründung einer deutschen Sektion des EJJP ist durch den Entschluss ihrer Mitglieder motiviert, gemeinsam mit Juden und Jüdinnen in Europa, auch hierzulande öffentlich allen zu widersprechen, die in Israel und anderswo vorgeben, die Besatzung und Besiedlung von Gebieten außerhalb der international anerkannten Grenzen Israels geschehe zum Schutz, im Namen und im Interesse aller Juden und Jüdinnen der Welt. Wichtigster Adressat unseres Wirkens ist die bundesdeutsche Öffentlichkeit und Regierung. Wir erwarten von der deutschen Regierung, dass sie ihr ökonomisches und politisches Gewicht für Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten fruchtbar macht und damit zum Wohle aller dort lebenden Völker beiträgt. Die Mitglieder und Freunde der Jüdischen Stimme sind sich der Asymmetrie bewusst, die zwischen der strukturellen Gewalt besteht, die von der Regierung und den Militärorganen des israelischen Staats in den besetzten Gebieten ausgeübt wird und demgegenüber den Gewaltformen, die von den nicht staatlichen Organisationen und Individuen in Palästina ausgehen. Alle geschichtliche Erfahrung zeigt, dass vergleichbar asymmetrische und inhumane Dominanzverhältnisse einen widerständigen Untergrund produzieren, der militärisch nicht besiegbar ist. Das Existenzrecht des Staates Israel wird erst dann zur unangefochtenen und nicht gefährdeten Selbstverständlichkeit werden, wenn seine Regierung versteht, dass dasselbe Existenzrecht und ein Leben in Frieden und Würde auch für den benachbarten palästinensischen Staat und seine Bevölkerung unverzichtbar sind. Gewalt jeder Art gegen Zivilisten wird von der Jüdischen Stimme moralisch und politisch verurteilt. Indem die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten eintritt, widersetzt sie sich der Ausgrenzung der Palästinenser und Palästinenserinnen durch die israelische Regierung in den seit 1967 okkupierten Gebieten. Den Vorwurf, dass die Verurteilung der Besatzungspolitik der israelischen Regierung per se antisemitisch sei, weist sie als unhaltbar zurück. Vor dem Hintergrund der in Deutschland und seinen Nachbarländern zu verzeichnenden Zunahme von Antisemitismus, Anti-Islamismus, Rassismus allgemein sowie anderer Formen der sozialen und politischen Ausgrenzung sind sich die Mitglieder und Freunde der Jüdischen Stimme darüber einig: Allein entschlossener Widerstand gegen alle Ausprägungen der Herabstufung und Verachtung von Menschen vermag diesen Erscheinungen die Grundlagen zu entziehen. In Deutschland gilt es jedoch klar zu sagen: Positionen, hinter denen sich antisemitische Einstellungen verbergen, sind mit dem Anliegen der Jüdischen Stimme unvereinbar. In inneren politischen Gesprächen ebenso wie im Zusammengehen mit anderen Organisationen und Gruppen wird stets zu berücksichtigen sein, dass einzelne Mitglieder und Freunde der Jüdischen Stimme selbst Diskriminierung erlebt haben oder erleben.

"Francesca Albanese ist seit 2022 UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage in den besetzten palästinensisc...
17/09/2026

"Francesca Albanese ist seit 2022 UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage in den besetzten palästinensischen Gebieten. Sie zählt mittlerweile zu den wichtigsten Stimmen gegen Israels Genozid in Gaza sowie seine Politik der Apartheid, Unterdrückung und Vertreibung in Palästina.

2025 erschien von ihr in Italien das aufrüttelnde Buch Quando il mondo dorme – Während die Welt schläft. Es legt offen, was im Schatten der globalen Gleichgültigkeit in Palästina wirklich geschieht und stellt damit die gängige Wahrnehmung des israelisch-palästinensischen Konflikts in Frage.

Aufgrund seiner israelkritischen Haltung lehnten mehrere deutsche Verlage eine deutsche Ausgabe des Buches ab. Daher freut sich der Palmyra Verlag, das Buch dieser mutigen, oft diskreditierten Menschenrechtsanwältin zu veröffentlichen. Es erscheint im November 2026 und kann jetzt schon zum Vorzugspreis von 20 € vorbestellt werden (ab November 24 €)"

Nähere Infos zu dem Buch im 1. Komemntar

Die genozidale Politik von Israel geht weiter ud breitet sich aus:"Die Menschenrechtsorganisation B'Tselem wirft Israel ...
17/09/2026

Die genozidale Politik von Israel geht weiter ud breitet sich aus:

"Die Menschenrechtsorganisation B'Tselem wirft Israel vor, die palästinensische Gesellschaft im Westjordanland auszulöschen. Dazu gehörten Tötungen, Schutz für Übergriffe radikaler Siedler und der Entzug wirtschaftlicher Rechte."

Lik zum Artikel im 1. Kommetar, Im Bild:
"Israels bewaffnete Kräfte töten mehr Menschen in besetzten Gebieten. © Nasser Nasser/dpa"

Laut diesese Berichte von Tucker Carlson und den NYT kann Israel seinen „ewigen Krieg“ und den Völkermord noch an vielen...
16/09/2026

Laut diesese Berichte von Tucker Carlson und den NYT kann Israel seinen „ewigen Krieg“ und den Völkermord noch an vielen weiteren Orten fortsetzen – so, wie es dies im Gazastreifen getan hat und weiterhin tut.

Die USA liefern Israel weiterhin die Waffen für die kranke Fantasie christlicher Zionisten, die sich den Tag des Jüngsten Gerichts so vorstellen: Danach könnten sie nach Jerusalem kommen, nachdem „die Juden die Stadt von den Muslimen gesäubert haben“.
In der Realität

Israel tötet weiterhin Kinder in Gaza. Erst gestern wurde dort bei einem sogenannten „Double Tap“ ein Kind getötet – ein Kind, das versucht hatte, ein anderes Kind zu retten, auf das Israel zuvor geschossen hatte. Gleichzeitig versuchen die Menschen im Gazastreifen, die noch am Leben sind, unter Bedingungen von Hunger und völliger Verwahrlosung zu überleben.

Die Zustände sind inzwischen so katastrophal, dass ihre Folgen auch Israel erreichen – und zwar nicht nur durch die Verschmutzung des Meeres mit Algen, die zur Schließung israelischer Entsalzungsanlagen geführt hat.

Zahlreiche Ortschaften in Israel in der Nähe des Gazastreifens berichten seit Monaten von einer regelrechten Mäuse- und Rattenplage. Die Tiere kommen aus dem Gazastreifen, und dafür gibt es mehrere Gründe:

Die Bauern, die dort früher die Felder bewirtschafteten, können dies nicht mehr tun: Sie wurden vertrieben, beschossen und getötet. Die brachliegenden Felder sowie der Müll, den Israel in der Nähe des Gazastreifens zurücklässt, bieten ideale Bedingungen für die Vermehrung von Ratten und Mäusen.

Israel überzieht das gesamte Gebiet unter seiner Kontrolle mit Müll. Nicht nur das Militär und der Staat tun dies, sondern auch die Zivilbevölkerung.

Der israelisch-jüdische Dokumentarfilmer Uri Rosenwaks hat bereits 2008 einen Film darüber gedreht, der „Müllstaat“ („Medina Zevel“) heißt. Der kurze Ausschnitt, der in den Links zu finden ist, zeigt einen Picknicktisch im Hayarkon-Park in Tel Aviv.

Schon vor vielen Monaten berichteten Palästinenser:innen im Gazastreifen, dass Kinder und Erwachsene von Ratten gebissen wurden, die sich unter diesen Bedingungen rasant vermehren. Jetzt passiert dasselbe auch jenseits des Zauns des Gazastreifens.

All das könnte erst der sichtbare Anfang einer Kette ökologischer Katastrophen sein. Vermutlich können auch die natürlichen Feinde von Ratten und Mäusen unter den Bedingungen von Hunger und Bombardierungen im Gazastreifen kaum überleben. Gleichzeitig finden die Nagetiere dort nicht mehr genügend Nahrung und machen sich deshalb auf die Suche nach ihr – auch außerhalb des Gazastreifens.

Menschen in Israel, die unter hervorragenden hygienischen Bedingungen leben, berichten inzwischen davon, bis zu 50 Mäuse am Tag zu fangen (Videos dazu finden sich in den Links). Man kann sich also vorstellen, wie die Situation im Gazastreifen aussieht.

Auch Deutschland beteiligt sich an dieser Orgie der Zerstörung, indem es Israel Waffen und andere Unterstützung liefert. Ein Teil dieser Unterstützung besteht darin, zivilgesellschaftlichen Widerstand dagegen zu unterdrücken – unter anderem durch die Repression gegen die pro-palästinensische Bewegung.

Damit die deutsche Elite dabei mitmachen kann, setzt Deutschland offenbar auf eine Politik von „Brot und Spielen“.

Die Nachrichten berichten, dass der Bund Berlin eine große Summe Geld zur Verfügung stellen will, die für „Kultur und Sicherheit“ verwendet werden soll.

„Kultur“ bedeutet dabei Unterstützung für die Philharmonie und die Opernhäuser – also nicht für queere Kulturzentren und nicht für die freie oder alternative Kulturszene. Wir werden weiterhin alte Stücke sehen können, die mit der Gegenwart kaum noch etwas zu tun haben, oder Musik aus dem Westen hören.

„Sicherheit“ bedeutet Milliarden für die Polizei, unter anderem für die „Begleitung von Demonstrationen“. Laut den Nachrichten heute Morgen ist der Sprecher der Berliner Polizei damit zufrieden – sagt allerdings, dass es nicht genug sei, weil die Berliner Polizei auch die Besuche von Politikern begleiten müsse, die aus aller Welt in die Hauptstadt kommen.

Gleichzeitig schlägt auch der Kandidat der Sozialdemokratischen Partei, die in Berlin nur noch in begrenztem Umfang existiert, vor, dafür zu sorgen, dass man in Berlin wieder eine Wohnung finden kann – durch mehr „Recht und Ordnung“.

Kurz gesagt:

Die Christdemokraten und die Sozialdemokraten organisieren für uns „Recht und Ordnung“ und sorgen dafür, dass diejenigen ruhiggestellt werden, die öffentlichen Druck ausüben könnten: die Kulturszene, die Medien und die Wissenschaft.

Wenn das stimmt, was Tucker Carlson schreibt, wird man künftig auch all diejenigen beruhigen müssen, die noch Auto fahren.

Die Spritpreise werden weiter steigen, die deutsche Industrie wird sich weiter zurückziehen und immer mehr Fabriken werden schließen. Nicht jede Fabrik kann in eine Rüstungsfabrik umgewandelt werden.

Die Konzerne der Brennstoffindustrie allerdings werden weiterhin prächtige Gewinne einstreichen.
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"Nach Angaben eines gut informierten US-Bundesbeamten plant die Trump-Regierung, der Regierung Israels in den kommenden Monaten insgesamt 40.000 Bomben des Typs Mark 84 und Blu-117 zu schicken. Jede dieser Bomben wiegt 2.000 Pfund. Dies scheint die größte Lieferung konventioneller Explosivwaffen aus den Vereinigten Staaten in der modernen Geschichte zu sein.

Wie groß ist diese Lieferung? Sie entspricht 40.000 Tonnen Bomben. Zum Vergleich: Der größte amerikanische Luftangriff des Zweiten Weltkriegs war der Angriff der Eighth Air Force auf Berlin im März 1945. Die insgesamt 2.023 beteiligten alliierten Flugzeuge warfen zusammen etwa 3.000 Tonnen Bomben ab. Das sind 7,5 Prozent dessen, was Trump nach Israel schickt. Im selben Monat, März 1945, begannen die US Army Air Forces den zerstörerischsten einzelnen Bombenangriff der Menschheitsgeschichte: die Operation Meetinghouse gegen Tokio. Mehr als 100.000 japanische Zivilisten wurden getötet. Bis zum Ende dieser Operation hatten die USA 1.600 Tonnen Bomben abgeworfen. Das sind vier Prozent dessen, was Trump nach Israel schickt. Der Zweite Weltkrieg endete fünf Monate später, als die USA eine Atombombe auf die Stadt Hiroshima abwarfen. Die von Trump nach Israel geschickte Lieferung entspricht mehr als dem Dreifachen der Zerstörungskraft dieser nuklearen Explosion. Für das Vorgehen der Trump-Regierung gibt es keinen Präzedenzfall.

Auch gibt es dafür keine Rechtfertigung. Die Regierung Israels führt weder einen Zweiten Weltkrieg noch überhaupt einen Krieg. Sie befindet sich in regelmäßigen Gefechten mit einer Guerillatruppe im Libanon und arbeitet daran, eine unbewaffnete Zivilbevölkerung im Gazastreifen auszurotten. Keine dieser beiden Fronten erfordert moderne 2.000-Pfund-Bomben.

Eine in den USA hergestellte Mark 84 hat einen Zerstörungsradius von einer halben Meile. Sie setzt eine Hitzewelle frei, deren Temperatur der Oberfläche der Sonne entspricht. Im Umkreis von 100 Fuß um die Explosion schmilzt Gestein und menschliches Fleisch verdampft. Die Bombe bringt Mehrfamilienhäuser zum Einsturz und hinterlässt Krater von 35 Fuß Tiefe. Bis zum Krieg mit dem Iran vermied das US-Militär im Allgemeinen den Einsatz der Mark 84 in städtischen Gebieten. Sie tötet zu viele Zivilisten.

Für die Regierung Netanjahu war genau das der Vorteil. In den Wochen nach dem 7. Oktober warf die IDF beinahe 600 2.000-Pfund-Bomben auf dicht besiedelte Gebiete im Gazastreifen ab, darunter auf mehr als 100 offiziell ausgewiesene zivile Evakuierungszonen. Das Abschlachten war so grotesk und beschämend, dass die Biden-Regierung die Lieferung von Mark-84-Bomben vorübergehend stoppte. Unter Trump wurden diese Lieferungen rasch wieder aufgenommen. Nun wurden sie noch weiter beschleunigt.

Es ist schwer, das Ausmaß des Verbrechens zu überschätzen, das die israelische Regierung im Gazastreifen begeht. In den vergangenen drei Jahren wurden dort mehr als eine Viertelmillion Palästinenser durch israelische Streitkräfte getötet oder verwundet. Die Mehrheit von ihnen waren Nichtkombattanten: Frauen, ältere Menschen und Zehntausende Kinder. Viele Tausend weitere werden noch vermisst und befinden sich vermutlich unter den Trümmern von 200.000 eingestürzten Gebäuden. Bislang haben die Israelis 92 Prozent aller Wohnhäuser im Gazastreifen und 34 der 36 Krankenhäuser zerstört. Zum Vergleich: Die alliierten Bombenangriffe auf Dresden im Jahr 1945, die heute als Kriegsverbrechen anerkannt werden, zerstörten etwa die Hälfte der bewohnten Gebäude der Stadt.

Nach jeder Definition dessen, was die Regierung Netanjahu im Gazastreifen getan hat, handelt es sich um Völkermord. Die 40.000 neuen Bomben, die die Trump-Regierung schickt, werden eingesetzt werden, um dasselbe im Libanon und wahrscheinlich auch in anderen Ländern der Region zu tun. Wenn man den Krieg gegen den Iran auf unbestimmte Zeit ausweiten wollte, würde man genau das tun.

Bisher hat nichts davon eine öffentliche Prüfung erfahren. Irgendwann wird es in Medienberichten zwangsläufig als „Waffenverkauf“ bezeichnet werden. Es ist kein Waffenverkauf. Es ist ein Geschenk, finanziert von amerikanischen Steuerzahlern über das Foreign Military Financing Program – ein Verfahren, das darauf ausgelegt ist, Sozialleistungen als Kapitalismus zu tarnen: Der Kongress stellt der Exekutive Geld zur Verfügung, die dieses Geld an Israel überweist, damit Israel damit in den USA hergestellte Waffen „kauft“, in diesem Fall von General Dynamics. Politiker behaupten, dies sei ein Gewinn für Amerika. Die meisten Wähler haben keine Ahnung, dass sie dafür bezahlt haben. Die Rechnung beläuft sich in diesem Fall auf etwa 3 Milliarden Dollar. Hinzu kommen die 352 Milliarden Dollar, die das US-Finanzministerium seit 1951 an Israel überwiesen hat.

Wie konnte es dazu kommen? Die Anfrage nach 40.000 neuen hochexplosiven Bomben, die zum Töten von Zivilisten eingesetzt werden können, ging von der US-Botschaft in Jerusalem aus, die vom christlich-zionistischen Botschafter Mike Huckabee und seinem Mitarbeiter David Milstein geführt wird, dem Stiefsohn des Fox-News-Moderators Mark Levin. Von dort gelangte die Anfrage ins Außenministerium, wo Marco Rubio sie begeistert genehmigte.

Nun müssen nur noch vier weitere Personen zustimmen, bevor die Bomben nach Israel geliefert werden: die Senatoren Jim Risch und Jeanne Shaheen, der Vorsitzende beziehungsweise das ranghöchste Mitglied des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen, sowie die Abgeordneten Brian Mast und Gregory Meeks, die beiden führenden Mitglieder des entsprechenden Ausschusses im Repräsentantenhaus. Alle vier sind überzeugte Neokonservative. Zusammen haben sie Millionen von der Israel-Lobby erhalten. 2015 reiste Brian Mast nach Israel, um sich freiwillig bei den israelischen Streitkräften zu engagieren. 2023 erschien Mast im Repräsentantenhaus in einer Uniform der IDF.

Es ist schwer vorstellbar, dass einer von ihnen zögern würde, Israel weitere kostenlose Bomben zu schicken. Nur öffentlicher Aufschrei kann dies verhindern."

Bild: aus dem live-blog Gaza, dei Zeit
"Israelischer Minister Katz kündigt neue Offensive im Gazastreifen an"
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Der Film „Naz'a" von Rachel Szor und Yuval Abraham sorgt weiterhin weltweit für Wellen und natürlich auch in Israel, das...
15/09/2026

Der Film „Naz'a" von Rachel Szor und Yuval Abraham sorgt weiterhin weltweit für Wellen und natürlich auch in Israel, das seit seiner Gründung mit der massiven Leugnung seiner Verbrechen beschäftigt ist. Der israelisch-jüdische Journalist Raviv Drucker, der die Verbrechen Israels rechtfertigt und mitverantwortet – zusammen mit fast allen israelisch-jüdischen Medien (ja, auch mit der Zeitung „Haaretz", die gelegentlich Fotos von ermordeten Kindern veröffentlicht, aber nie gefragt und untersucht hat, was Yuval Abraham und Rachel Szor untersucht haben) –, veröffentlichte gestern einen Artikel in dieser Zeitung mit der Überschrift „Ich habe den Film Naz'a gesehen. Es war sehr schwer. Ich war erschüttert, aber". Wir kennen dieses „aber" im Stil von „Die N***s waren schrecklich, aber... " (Sie haben gute Autobahnen gebaut" oder ähnliches.)

Gestern Abend interviewte Drucker Yuval Abraham über den Film, und wenn wir ihn schon vorher geschätzt haben und im Anschluss an seine Recherchen bei „Local Call", so beweist er in diesem Interview seine Menschlichkeit noch mehr. Blass und abgezehrt, nachdem er erzählt (alsAntwirt auf einer Frage, er stellt sich nie im Zentrum des Geschehens), dass er alle Apps auf seinem Mobiltelefon gelöscht hat, nachdem er mit Bildern von sich, Bildern seiner Mutter und Drohungen der Aberkennung der Staatsbürgerschaft durch „Kulturminister" Miki Zohar überflutet wurde. Er gibt nicht vor, sich schlecht zu fühlen, und schafft es gleichzeitig, alle Argumente von Raviv Drucker zu zerlegen, dem man wirklich ansehen kann, wie er sich bedroht fühlt – und er hat gute Gründe dafür.

Wir bringen hier einen Teil der Fragen und Antworten aus dem Interview in Form einer Zuammenfassung auch weil sie weiterhin im Rahmen der Kampagne auftauchen werden, die Israel gegen die Wahrheit organisiert, die der Film und die israelischen Soldaten enthüllen.

1. Die Frage nach der Anonymität der Soldaten, die aussagen

Journalisten wahren die Identität ihrer Quellen, nicht erst seit gestern. Auch die Watergate-Affäre basiert auf „Deep Throat", wie auch Tausende andere gute journalistische Arbeiten. Die Tatsache, dass ein israelisch-jüdischer Hofjournalist die Zeugnisse anzweifelt, weil sie anonym sind, zeugt vor allem von ihm selbst („Ich wundere mich über dich, Raviv", sagt ihm Abraham). Die Zeugnisse wurden von einem ganzen Team verifiziert, der Film wurde in Zusammenarbeit mit dem Guardian produziert und sie wurden mit verschiedenen Ereignissen abgeglichen, bei denen Israel Hunderte Palästinenser ermordete, und wurden zum Beispiel auch in der New York Times veröffentlicht.
Drucker zweifelt an der Notwendigkeit, die Glaubwürdigkeit zu wahren, und fragt gleichzeitig Abraham – der das Risiko eingeht und als Reggiseur unter seinem Namen auftritt –, ob er keine Angst vor den Reaktionen in Israel habe. Abraham erinnert ihn auch daran.

Darüber hinaus, wie Anat Saragusti, die israelisch-jüdische Journalistin in einem Facebook-Post erwähnt: Israel veröffentlicht ständig seine Soldaten (früher waren es nur hochrangige Kommandeure und Chefs der Geheimdienste, heute läuft jeder einfache Soldat herum und wird mit Maske gefilmt oder sein Gesicht wird verpixelt – wie in diesem Interview auf einem israelischen Mainstream-Fernsehsender) anonym. Sie tun das, weil sie seit Beginn des Völkermords Klagen außerhalb Israels fürchten. Wenn sie sprechen und in israelischen Medien interviewt werden – zweifelt natürlich niemand an ihrer Glaubwürdigkeit, auch nicht, wenn sie hinter einer Maske sind.

2. Abraham wird gefragt, warum er nicht die „Filme der Geiseln" gebracht oder nicht genug über den 7. Oktober gesprochen habe. Wieder der alte Trick der israelischen Hasbara. Jedes Mal, wenn von Verbrechen Israels die Rede ist, versucht man, uns in die Hängematte im Schatten zurückzubringen, in der Israel in seiner Opferrolle ruht. Als ob das etwas ändern würde. Es ändert etwas psychologisch für israelisch-jüdische und ihre Helfer – weil es ihnen ermöglicht, „gut" zu bleiben und weiter zu leugnen. Nicht mehr als das. Abraham antwortet ihm, dass der Film nicht darüber sei und dass er, Drucker, wenn er wolle, selbst einen anderen Film machen und ihn vorführen könne. Und hier kommen wir zum wichtigen Punkt.

3. Abraham spricht über die fehlende Solidarität von Journalist:innen wie Drucker (und das gilt für jeden Journalist:in des Westens, der sieht, wie Israel mehr als 200 seiner Kolleg:innen in Palästina und Libanon ermordet, und in derselben Hängematte des Opfer-Israels ruht). Drucker ist, während sein Kollege angegriffen wird und seine Staatsbürgerschaft wegen journalistischer Arbeit kurz vor der Aberkennung steht, nicht in der Lage, ein Wort der Solidarität herauszubringen. Abraham erinnert ihn an die Machtverhältnisse: Drucker ist älter, senior-mäßig (begann natürlich beim Armeerundfunksender), hat Kontakte mit allerlei „hochrangigen Militärs" und Zugang zum Hauptwuartier der Armee in Tel Aviv und anderen Orte, die Yuval Abraham nicht hat. Abraham hat allen seine Recherche bei „Local Call" vorgelegt, und niemand in Israel hat diesen aufgegriffen. Drei Jahre lang gab es keinen einzigen journalistischen Beitrag über die Schusseröffnungspolitik der israelischen Armee. Zwanzigtausend Kinder sterben in Gaza, und kein Akteur in den Medien stellt dazu Fragezeichen auf und ist dann wütend auf den, der es tut.

Und all das gilt auch für Deutschland:
Drei Jahre Völkermord, und es gibt kaum Fragen zur Mordpolitik Israels. Im besten Fall gibt es eine Zeile über „Israels Kriegsführung". Die Journalisten in Deutschland – wenn sie wirklich mutig sind – beschäftigen sich mit irgendeiner „Antisemitismusdebatte". Die israelische Armee – wie bei israelisch-jüdischen Journalisten – ist immer heilig, und sie plappern die Position des Armeesprechers nach. Dieser Film ist problematisch für Israel, auch weil er es an seinen kannibalischen Ort zurückbringt:

4. Drucker versucht, die Worte der Soldaten, die aussagten, zu verzerren und ihnen Worte in den Mund zu legen (über einen Soldaten, der erzählt, dass er das Töten genoss, sagt er: „Ich habe verstanden, dass er es genoss, Hamasniks zu ermorden." Abraham wahrt Souveränität und antwortet ihm: „Er sagt, dass er die Ausführung der Aufgabe und ihre Erfüllung genoss. Dass er überhaupt nicht daran dachte, wer auf der anderen Seite seines Visiers war."). Abraham erzählt, dass es nicht sehr schwer war, die Soldaten zu finden, die aussagen würden. Sie warteten nur darauf, dass jemand sie fragt und sie erzählen können. Das heißt, sie wissen, dass sie Verbrechen begehen und begangen haben, und spüren offenbar das Bedürfnis, sie zu beichten, wie die Tausenden Zeugnisse bei der Organisation „Breaking the Silence". Israel wird anfangen müssen, jeden Soldaten zu liquidieren, der nicht anonym erzählt, was er getan hat, so wie es seine Geiseln liquidierte, die es als Alibi für den Völkermord benutzte (an alle Propagandisten: jetzt ist bereits klar, dass die Hamas bereit war, alle am 8. Oktober freizulassen, einige ohne jede Gegenleistung, sodass die Hofjournalisten Israels in Deutschland auch nicht sagen können, dass die Zustimmung "dem Terrorismus Nachschub leistet" o.Ä.). In der Zwischenzeit versucht Israel, eine gezielte zivile Liquidierung von Journalisten durchzuführen, die seine jüdischen Bürger sind, weil Israel versteht, worum es geht. Israel verbietet nicht zufällig Journalist:innen in den Gazastreifen einzureisen.

Also erinnert die ganze Angelegenheit an den alten Witz über den Juden, der in einer zaristischen Stadt etwas betrunken die Straße entlangging und rief: „Der Kaiser ist ein Idiot!" Polizisten schnappten ihn und brachten ihn vor einen Richter. Zu seiner Verteidigung behauptete er, er habe den österreichischen Kaiser gemeint. „Nun wirklich", sagt ihm der Richter, „wen willst du reinlegen. Wenn ein Idiot – nun, dann ist es doch klar, dass es unserer ist!"
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Es dauerte fast drei Jahre und die mühsame Arbeit von Zehntausenden Menschen, viele von ihnen Palästinenser,:innen die m...
14/09/2026

Es dauerte fast drei Jahre und die mühsame Arbeit von Zehntausenden Menschen, viele von ihnen Palästinenser,:innen die mit ihrem Leben bezahlten, bis die wichtigste liberale und sehr pro-israelische Zeitung in Deutschland (die auch der deutschen Industrie sehr nahesteht) diesen Artikel veröffentlichte. Die Zeitung, die gerne der „Guardian" sein möchte, aber in ihrem Deutschtum gefangen ist, hat es geschafft, Fakten über den Völkermord zu liefern, den Israel begeht.

Damit das geschieht, wird das framing und die Grammatik benutzt. Lehrer:innen für Deutsch als Fremdsprache - das ist der Artikel für Euch, um über indirekte Rede und Passivformen zu unterrichten. Partizips ohne Ende, Zustandspassiv usw.
Die Rahmung: Der deutsche Genozid an den Juden – den man in Deutschland gerne mit dem hebräischen Wort „Schoa" bezeichnet und dadurch von der emotionalen Bedeutung entfernt – schwebt ständig über dem Film. So beginnt der Artikel und nutzt die Stimme und Biografie Yuval Abrahams (mit dem Ausweis der Zugehörigkeit, dass er ein jüdisch-israelischer ist, den wir brauchen – und selbst als Teil dieser Falle liefern – in Deutschland), um der Kritik zu widersprechen, die kommen wird, nämlich der „Relativierung der Schoa". Man wird das nicht sagen können, weil die israelischen Soldaten es selbst sagen. Sie sagen auch „Genozid", und man kann sie zitieren. Das heißt, sie wissen genau, was sie tun. Und sie unterscheiden sich nicht von irgendeinem von uns: Jeder, der nicht geleugnet hat, was Israel tut, wusste schon seit dem 7. Oktober, dass es ein Völkermord ist. Der Holocaustforscher Prof. Raz Segal brauchte eine Woche, um darüber einen Artikel zu veröffentlichen (das heißt: Er schrieb ihn ziemlich schnell nach dem 7. Oktober, schickte ihn an die Zeitung, er wurde redigiert und veröffentlicht).
Der Artikel endet auch mit der "Dampflok aus Claude Lanzmanns Monumentaldoku „Shoah“, die in Richtung des Vernichtungslagers Treblinka rollt...".

Nachdem der Artikel veröffentlicht wurde, fügte die Zeitung auch die Stellungnahme der israelischen Armee hinzu. Diesmal ist es nicht „der Vorfall wird geprüft" oder „die Armee untersucht". Es ist einfach eine Leugnung, im Stil von „es ist nicht wahr, dass Palästinenser absichtlich getötet werden". Was dem widerspricht, was der israelische Präsident, Minister der israelischen Regierung, israelische Parlamentsmitglieder, Sänger:innen wie Idan Reichel auf Bühnen in Israel, der israelische Präsident, Generäle und israelische Journalisten in Sendungen auf offiziellen Fernsehkanälen gesagt haben. Sie riefen dazu auf, alle zu töten, weil es in Gaza „keine Unbeteiligten" gebe. Keiner wurde dafür in der einzigen Demokratie in der Galaxie angezklagt.

Interessant sind die Überschrift und das Bild des Artikels:
„Wir töten diese Kinder absichtlich" korrespondiert mit dem, was über Jahrzehnte von vielen Aktivisten geschrien, geschrieben und gesagt wurde. Es ist für uns natürlich nicht leicht, die Aussage über Israel zu hören, das Kinder ermordet, und alle Lobbyorganisationen Israels behaupten, sie sei antisemitisch.

Nun: Sie war und ist antisemitisch, als sie auf der kranken Fantasie von Christen und auf einer Verschwörungstheorie beruhte. So wie es antisemitisch ist zu glauben, Juden seien dafür verantwortlich, dass die Geburtenrate in Deutschland oder unter Weißen überhaupt weltweit niedrig ist, um die prächtige weiße Rasse zu vernichten und a**e Europäer dazu zu bringen, die Einwanderung von Muslimen zu unterstützen. Das ist antisemitisch.

Wenn Soldaten Israels, das sich selbst „der jüdische Staat" nennt und alle Medien und die Politik in Deutschland übernehmen das, absichtlich Kinder ermorden, ist das eine andere Geschichte. Israels Politiker:innen sagen das und rufen dazu auf. Lange vor dem 7. Oktober teilte Ayelet Shaked – ehemalige Justizministerin Israels, die sich selbst genüsslich mit einem Parfüm namens „Faschismus" bewarb – im Juni 2014 einen Artikel eines israelisch-jüdischen Publizisten, der über Palästinenser sagte: „Sie müssen gehen, wie die physischen Häuser, in denen sie die Schlangen großgezogen haben. Sonst werden dort noch mehr kleine Schlangen heranwachsen."

Der damalige deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) flog mit ihr gemeinsam über Palästina, „um die palästinensische Bedrohung" selbst zu sehen. Danach sorgte er für ihre Einladung nach Berlin. Das war im 2015 und gehört zum Normalisierungsprozess des Genzids an den Palästinenser.

Also rufen Politiker:innen und Generäle dazu auf, es absichtlich zu tun, und die Soldaten morden (so ist das, wenn man absichtlich tötet. Das ist Mord. Und wenn es massenhaft gegen eine ethnische Gruppe mit der Absicht geschieht, sie zu vernichten, ist es Völkermord. Israel hat nicht nur geborene Kinder ausgelöscht, sondern auch Fruchtbarkeitszentren mit den Kindern der Zukunft, schwangere Frauen. Das tat Israel neben die Auslöschung der Vergangenheit und das Erbe – Moscheen, Kirchen, Universitäten, Friedhöfe. Absichtlich.)

Wenn also Palästinenser und pro-palästinensische Aktivist:innen sagen, Israel ermorde Kinder, ist das nicht in Ordnung und „antisemitisch" und der Geheimdienst wird aktiviert – was ist dann das Schicksal einer führenden Zeitung in Deutschland, die sich daran erinnert, dass sie eine Zeitung ist und kein Propagandaorgan Israels, nachdem die ganze Welt bereits weiß, worum es geht ("wurde indes bereits in internationalen Medien berichtet."), und man nicht mehr weitermachen kann?

Wird die Süddeutsche Zeitung jetzt vom "Verfassungsschutz" überwacht? Als extremistisch im Bereich säkularer-Journalismus eingestuft?
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"Doku „Naza“ in Venedig: „Wir töten diese Kinder absichtlich“
Philipp Bovermann

10.9. 2026

Es war vor allem eine Szene, um die sich die Fragen bei der Pressekonferenz drehten, als der Film „Naza“ am Donnerstag in Venedig vorgestellt wurde. 24 Mitglieder der israelischen Streitkräfte und des Geheimdienstes beschreiben darin im Detail, wie die KI-Softwaresysteme funktionieren, die in Gaza zum Einsatz kommen, nach welchen Prinzipien die Einsätze ablaufen, welche Befehle sie bekommen, welche sie geben.

Einer, von dem nur die Silhouette zu sehen ist, Mitglied einer Eliteeinheit, sagt, er sei aufgewachsen mit dem Andenken an den Holocaust. Die N***s, so habe er gedacht, seien „das pure Böse“. Inzwischen verstehe er es. Er verstehe, wie man ein ganzes Gebäude zerstören kann, mit all den Menschen darin, aber dann gehe das Leben einfach weiter, und „man macht seinen Abschluss in klinischer Psychologie“.

Yuval Abraham, einer der beiden Regisseure des Films, sagte bei der Pressekonferenz, mehrere der Interviewten hätten diesen Vergleich gezogen. Abraham ist israelischer Jude. Er entstamme einer Familie von Holocaustüberlebenden, sagte er. Natürlich seien die Shoah und das, was in Gaza geschehe, nicht dasselbe. Aber es gebe ein gemeinsames Element, nämlich das der Entmenschlichung. Die solle der Film zeigen. Er reflektiere „die Dunkelheit, in der wir alle leben.“

Ob er denke, dass er an einem Genozid beteiligt gewesen sei? Der Mann bejaht, ohne zu zögern

Gefilmt wurden die Interviews auf dem Dach eines Hochhauses in Tel Aviv bei Nacht, unterbrochen von Einstellungen der schlafenden Stadt, aufgenommen mit Teleobjektiven. Menschen und flimmernde Fernseher sind hinter den Fenstern von Hochhäusern zu sehen, Reklametafeln, das fließende Licht des Straßenverkehrs am Boden. Die Stille nimmt den Horror in sich auf.

Auch das Töten geschieht aus großer Entfernung. Der israelische Geheimdienst habe Zugriff auf die Telekommunikation in Gaza und somit auf die Handys, berichtet einer der Männer. Ein KI-System analysiere automatisch sämtliche Verbindungen, daraus ermittle es einen Wert, wer mit welcher Wahrscheinlichkeit zur Hamas gehört. Eine „Fabrik von Zielen“ nennt einer die Software. Die zuverlässigsten Ziele seien gar nicht die mutmaßlichen Kämpfer selbst, sondern die Häuser, in denen sie wohnen. Die seien leicht auszumachen, weil die Handys dort jede Nacht aufhörten, sich zu bewegen – zu Hause, wo auch die Frau und die Kinder schlafen. Dann, sagt er, fallen die Raketen vom Himmel.

Selten haben Soldaten so viel gepostet wie aus dem Gaza-Krieg. Da wird über die „Schönheit“ von Explosionen gejubelt, und im Hintergrund surren Artilleriegeschosse. Für die einen ist es der pure Zynismus, für andere ein Beweismittel.

Die Silhouetten sind schwer voneinander zu unterscheiden, sie wurden, ebenso wie die Stimmen der Protagonisten, mit künstlicher Intelligenz verfremdet, um nicht erkannt zu werden. Warum die Israelis überhaupt vor die Kamera treten – ob aus Stolz oder Schuldgefühlen –, bleibt in den meisten Fällen vage. Der Fokus liegt auf dem System, in dem sie operieren.

Mehrere der Soldaten sagen, dass zivile Opfer nicht nur billigend in Kauf genommen werden. So viele Palästinenser wie möglich zu töten, sei vielmehr das Ziel. Schließlich gebe es in diesem Krieg keine Unbeteiligten. Ob er denke, dass er an einem Genozid beteiligt gewesen sei, lautet eine Frage. Der Interviewte zögert keine Sekunde, bevor er die Frage bejaht.

„Naza“, der Titel des Films, sei in der israelischen Armee das Kürzel für zivile Opfer, erklärt einer. Jedem potenziellen Ziel sei in der KI-Software ein Naza-Wert zugeordnet. Alles unter 20 – 20 unschuldige Menschen – bedürfe keiner besonderen Erlaubnis. Einmal habe er eine Freigabe für ein Ziel mit einem Wert von 500 bekommen, als würde er auf einen Schlag ein ganzes Dorf auslöschen. Die kombinierten Naza-Werte aller potenziellen Hamas-Kämpfer seien größer als die Gesamtzahl der Menschen in Gaza, sagt ein Soldat ratlos. Er wisse nicht, was er mit dieser Einsicht anfangen solle.

Um zu überprüfen, ob sie den Richtigen im Visier haben, hacken die Mitarbeiter des Geheimdienstes die Handys der Betroffenen, schalten deren Kamera und Mikrofone an, durchsuchen die gespeicherten Fotos. So berichtet es ein Geheimdienstler. Die Zugriffsmöglichkeiten auf die Handys in Gaza scheinen grenzenlos zu sein. Einer der Männer erzählt, wie er auf dem Handy eines Palästinensers ein Foto von dessen beiden kleinen Töchtern gesehen habe. Bei dem Angriff habe er über das Handy live verfolgt, wie eines der beiden Mädchen verbrannt sei. Gern würde man das Gesicht des Interviewten sehen, als er das erzählt, aber da ist nur dieser Schatten.

Einer erklärt mit Strichmännchen, wie Hungernde bei der Essensausgabe erschossen wurden: So fielen sie um

Überwiegend wird das Töten als alltäglicher Bürojob beschrieben. Als es darum gegangen sei, die Palästinenser aus dem nördlichen Teil von Gaza zu vertreiben, habe es Karten mit unterschiedlich eingefärbten Quadranten gegeben. Weiß habe bedeutet, dass das Gebiet zerstört ist. Violett bedeute, dort leben noch Menschen. Das Ziel sei gewesen, aus violetten Kästchen weiße zu machen: „Wie ein Videospiel.“

Es habe die Anweisung gegeben, so viel zu zerstören wie möglich, bevor die internationale Legitimation für den Militäreinsatz schwindet, sagt einer der Männer. Sie seien Experten darin geworden, Häuser niederzubrennen, acht Minuten sei ihr Rekord gewesen. Ein anderer berichtet, wie aus der Entfernung, aus Tel Aviv, Todeszonen in Gaza festgesetzt wurden. Wo die Grenzen verliefen, hätten die Palästinenser gelernt, indem sie erschossen wurden, wenn sie sich zu weit bewegten.

Und wieder ein anderer berichtet von Essensausgaben in Gaza, als Scharfschützen – seine Leute – auf die Hungernden feuerten. Internationale Medien, auch die SZ, hatten darüber berichtet. Nun zu sehen, wie jemand auf einem Dach in Tel Aviv Strichmännchen aufzeichnet, völlig ungerührt, so und so seien sie umgefallen, so und so hätten die Körper gelegen, das lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Einer sagt, es mache Spaß, Palästinenser zu töten. Das sei die Mission. Es fühle sich gut an, die Mission zu erfüllen. Die Armee habe psychologische Betreuung angeboten, aber die habe keiner aus seiner Einheit gebraucht. Ein anderer sagt: „Wir töten diese Kinder absichtlich.“ Wellen um Wellen des Grauens. Und dann wieder diese unerträgliche Stille in den Häuserschluchten bei Nacht.

(...)

Bei der Premiere in Venedig bekam „Naza“ nun 25 Minuten lang stehenden Applaus – dem Branchendienst Deadline zufolge wurde noch kein Film auf einem der großen Festivals je so lang beklatscht. Offenbar saß im Publikum auch ein Vertreter des israelischen Militärs. Das veröffentlichte am Freitag, dem Tag nach der Premiere, eine Stellungnahme. Die Identität der Personen vor der Kamera lasse sich nicht feststellen, ihre Glaubwürdigkeit somit nicht beurteilen. Vieles der im Film diskutierten Zusammenhänge könnten niederrangige Soldaten überhaupt nicht wissen. Die Behauptung, palästinensische Zivilisten würden absichtlich getötet, sei falsch.

Über vieles von dem, worüber nun in „Naza“ gesprochen wird, wurde indes bereits in internationalen Medien berichtet. Unter anderem vom Regisseur Abraham selbst. Er schreibt für das israelische Portal +972 und enthüllte dort die Existenz des KI-System „Lavender“, um das es jetzt auch in der Dokumentation geht.

„Naza“ schafft es, mit reduzierten Mitteln eine Atmosphäre zu erzeugen, die gleichermaßen eindringlich wie respektvoll gegenüber den Opfern dieses Krieges ist. An einigen Stellen unterbrechen kurze Montagesequenzen die Interviews, über die Opfer des 7. Oktober, auch sie werden hier nicht vergessen. Und über den Holocaust. Die Dampflok aus Claude Lanzmanns Monumentaldoku „Shoah“, die in Richtung des Vernichtungslagers Treblinka rollt, ist zu sehen. Sie ist ebenfalls Teil der Dunkelheit, die über diesem Land liegt.

Anmerkung der Redaktion: Nach der Veröffentlichung wurde eine Stellungnahme der israelischen Streitkräfte ergänzt."

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