04/09/2025
Unser Bürgermeisterkandidat Lorenz Schnadt im Interview mit der Hönnezeitung 🗞️
Hönnezeitung: „Eine Wahlperiode endet in wenigen Tagen. Was war ihr eigener persönlicher Erfolg, den Sie in den vergangenen fünf Jahren auf der politischen Ebene für die Stadt Balve erzielen konnten und warum werten Sie das als Erfolg?“
Lorenz Schnadt: „Da wären so Einige zu nennen, z.B. die zügellose Erweiterung des Steinbruchs in Eisborn verhindert zu haben, oder, das Dank unseres Antrags die Balkonkraftwerke in Balve gefördert werden. Wo ich aber besonders stolz drauf bin ist die Neuausschreibung der Stadtwerke im Bereich der Wasseranschlüsse. Was kaum jemand weiß ist die Tatsache, dass man, wenn man ein Haus neu baut, sich den Unternehmer für den Wasseranschluss nicht frei aussuchen kann. Konkret: es gibt da keinen Wettbewerb! Also muss dieser Wettbewerb vorverlagert werden. Rechtlich ist die Stadt gezwungen, diese Leistung alle vier Jahre auszuschreiben. Dies wurde mehr als 21 Jahre nicht gemacht! Selbst auf unser Nachfragen sagte der Werksleiter und Bürgermeister: Brauchen wir nicht! Erst durch das Einschalten der Kommunalaufsicht ist es mir gelungen, diese Verfahrensweise zu ändern und einen regelkonformen Wettbewerb im Sinne der Bürger zu implementieren.“
Hönnezeitung: „Über Niederlagen spricht man nicht gerne. Doch in welchem Bereich hätten Sie gerne einen Erfolg erzielt, der aber nicht die politische Mehrheit fand oder die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung?“
Lorenz Schnadt: „Da kann ich den Abriss der Kornmühle in Wocklum benennen. Ich bin da aber sehr ambivalent. Einerseits wollte die CDU dieses Thema schnell und ohne Aufsehen quasi 1. Klasse beerdigen. Dies habe ich konsequent verhindert! Es wurde öffentlich diskutiert und ein Mini-Kompromiss erreicht. Tatsächlich aber wurde einem der reichsten Eigentümer in Balve erlaubt, ein historisches Denkmal einfach mal so abzureissen, obwohl es eigentlich Aufgabe der Stadt gewesen wäre, dies zu schützen! Der Bürgermeister hat ja auch in der Ratssitzung öffentlich eingestanden, dass dies ein Totalversagen seiner Verwaltung war. Aber im Ergebnis ist sie jetzt weg und Balve hat ein Denkmal weniger. Es ist schade und traurig.“
Hönnezeitung: „Schauen wir in die nahe Zukunft. Was sind für Sie die Projekte, die kurzfristig in der Stadt angepackt werden müssen?“
Lorenz Schnadt: „Die Feuerwehraffäre ist ja erst seit wenigen Wochen bekannt und gerade in der Aufklärung. Offensichtlich besteht hier ein gravierendes Fehlverhalten eines Einzelnen. Aber man muss auch die Frage stellen: wo waren die Vorgesetzten, die ihn kontrollieren sollten? Was haben die gemacht und wie sah diese Kontrolle aus, bzw. warum wurde sie nicht ausgeübt? Warum fällt in der Kämmerei z.B. das Fehlen von Sechstelligen Beträgen nicht auf?
Ich muss auch hier feststellen, dass die Stadt Balve doch ein gebranntes Kind ist. In der Schubladenaffäre von 1993 fehlten schon einmal über 600.000,- DM, ohne dass dies jahrelang jemanden aufgefallen ist!
Kurzum, die Prozesse , Abläufe und das Controlling der Stadtverwaltung muss sofort effektiver, effizienter und moderner werden. Zudem gehört das Führungsverständnis des Verwaltungsvorstandes auf den Prüfstand! Vor Allem aber gehört die Feuerwehraffäre restlos aufgeklärt mit allen Konsequenzen!
Zu den sächlichen Projekten gehört vor allem der Umbau der Balver Innenstadt und bezogen auf alle Dörfer, die Renovierung unserer Straßen.“
Hönnezeitung: „Wie sieht es mit den langfristigen Zielen aus? Welche Visionen haben Sie da vor Augen?“
Lorenz Schnadt: „Der Begriff der „Visionen“ ist durch Helmut Schmidt ja hinreichend diskreditiert worden.
Langfristig muss vor allem die Infrastruktur instand gesetzt werden, Stichwort: Renovierung unserer in die Jahre gekommenen Gemeinde- und Anliegerstraßen. Aber die Infrastruktur muss auch dringend ausgebaut werden. Stichworte: - Weiterbau der A 46 und Bau einer Anschlussstelle in der Nähe zum Hönnetal, - Einrichten von Buslinien von Balve über Hemer nach Iserlohn, - Ausbau des ÖPNV insgesamt.
Nach wie vor fehlen uns Gewerbeflächen, hier besteht dringender Handlungsbedarf!
Das Thema erneuerbare Energien wird ja teilweise in Frage 5 behandelt, aber es gibt auch in Balve dazu viel zu tun. Stichworte: - Einspeisung von Gas in die Leitungen durch Biogasanlagen. Verbindung der Balver Industriebetriebe an des Wasserstoffnetz aus Arnsberg; der Anschluss liegt schon unterhalb des Ebbergs in Eisborn.“
Hönnezeitung: „Rund um Balve werden in den kommenden Jahren große Windenergieanlagen entstehen. Das könnte für die Stadt Balve Fluch und Segen zugleich bedeuten. Wie sehen Sie die Fremdenverkehrsentwicklung in den kommenden Jahren unter dem Aspekt der unschönen Anlagen auf den Bergen? Welche Vorteile könnten für jede Bürgerin und jeden Bürger in der Stadt entstehen? Die jährlichen Einnahmen werden schließlich nicht unerheblich sein.“
Lorenz Schnadt: „Es stimmt, nach dem EEG bekommen Gemeinden, auf deren Stadtgebiet bzw. in derem Umfeld Windenergieanlagen stehen, 0,2 Cent pro Kilowattstunde Strom. Davon ausgehend, dass Ende 2027 rund 45 Windräder in Balve stehen macht das eine ganze Menge Geld aus. Ich mache kein Hehl daraus, dass mir persönlich das viel zu viel ist. Dadurch entsteht eine bedrückende Wirkung auf die Balver Dörfer, da ja andere Städte, z.B. Sundern und Neuenrade, auf ihren Flächen ebenfalls massiv den Windradausbau vorantreiben. Ich denke mit Blick auf den Kohlberg in Neuenrade, wird es dem Tourismus nicht schaden, gehen z.B. dort viele Menschen aus purer Neugier dorthin. Meines Erachtens wird es daher vor allem ein Problem für Balver Bürger, die tagein und tagaus auf diese riesigen Anlagen schauen werden. Immerhin haben diese Windräder eine Genehmigung für mindestens 20 Jahre.
Da auf gesetzgeberischer Seite der Ausbau der Windenergie durch die Bundesregierungen auf Bundesebene gehoben wurde, hat der Balver Stadtrat leider keine Möglichkeit der Einflussnahme. Wir müssen es daher nehmen wie es kommt. Positiv ist sicherlich die Einnahmeseite durch den Stromcent (sehe Oben erwähnt). Durch die großen Mengen an Überstrom (wenn sich die Räder drehen, der Strom aber nicht ins Netz eingespeist wird) ergeben sich in Balve aber auch Chancen. Wie können wir diese Masse an Strom speichern und nutzbar machen? Kann man damit ein Nahwärmenetz betreiben? Wie können unsere Stadtwerke davon profitieren?
Klar ist, am Ende müssen die Balver Bürger, die vor allem die optischen Nachteile des Windkraftausbaus ertragen müssen, auch davon profitieren. Vor allem durch billigen Strom!“
Hönnezeitung: „Sind sie froh darüber, dass die extrem rechte politische Szene in Balve bei dieser Wahl keine Rolle spielt? Wie verhalten Sie sich in Zukunft der AfD gegenüber – vielleicht gemeinsam?“
Lorenz Schnadt: „Ich bin froh, dass extrem rechte Tendenzen in Balve bei dieser Wahl keine Rolle spielen. Das zeigt, dass unsere Stadt- und Dorfgesellschaft gefestigt ist und demokratische Werte trägt. Als Bürgermeisterkandidat ist mir wichtig, mit allen demokratischen Kräften respektvoll im Dialog zu bleiben – aber eine Zusammenarbeit mit der AfD sehe ich nicht, solange sie Positionen vertritt, die ausgrenzen oder spalten. Mein Fokus liegt auf dem Miteinander in unserer Stadt – unabhängig von parteipolitischen Ideologien.“