08/09/2026
💚Vom Bauerndorf zum Moorprojekt: Altwarmbüchen im Wandel
✅Ute Wolf machte bei historischem Rundgang Altwarmbüchens Geschichte lebendig
14 Höfe und ein Kötner, ein Brand, der fast das halbe Dorf zerstörte, Torftransporte in Richtung Hannover und eine Kapelle, die zeitweise auch Gericht und Schule war: Bei einem von den Grünen Isernhagen eingeladenen historischen Rundgang zeigte Ute Wolf am Montagabend, wie viele Geschichten sich hinter heute vertrauten Orten verbergen.
Zu Beginn begrüßte die Co-Vorsitzende Dr. Annette Heuer die Teilnehmenden und dankte Wolf dafür, ihr umfangreiches Wissen über die Ortsgeschichte weiterzugeben. Die Orts- und Gemeinderätin beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Geschichte Altwarmbüchens und verband auf dem rund eineinhalbstündigen Spaziergang historische Entwicklungen mit Gebäuden, Grundstücken und Straßenverläufen, die bis heute zum Ortsbild gehören.
✅14 Höfe – und Namen, die geblieben sind
Altwarmbüchen entstand als Reihensiedlung am Rand des Moores und wird um 1200 erstmals als „Werenboke“ erwähnt. Für das Jahr 1669 sind 14 Höfe und ein Kötner verzeichnet. Die Hofstellen lagen überwiegend auf einer Seite der damaligen Dorfstraße und prägten den Ort über Jahrhunderte. Besonders anschaulich wurde die Vergangenheit dort, wo sie bis in die Gegenwart reicht: Mit alten Hofstellen sind Familiennamen verbunden, die in Altwarmbüchen noch heute vertraut sind – darunter Burchard oder Voltmer.
Eine Darstellung des alten Dorfes machte sichtbar, wie überschaubar Altwarmbüchen einst war und wie sich Hofstellen und Grundstücke entlang der Hannoversche Straße aneinanderreihten.
✅Als fast das halbe Dorf brannte
Eine der eindrücklichsten Geschichten führte ins Jahr 1842. Damals brach in der Nähe der Alten Kapelle ein Feuer aus. Mehrere Höfe wurden zerstört, etwa die Hälfte des damaligen Dorfes war betroffen. Der anschließende Wiederaufbau veränderte auch das Ortsbild.
Die Alte Kapelle selbst erzählt gleich mehrere Kapitel der Ortsgeschichte. Sie diente im Laufe der Zeit nicht nur kirchlichen Zwecken, sondern unter anderem auch als Gericht und Schule. Kinder wurden zuvor teilweise noch auf den Höfen unterrichtet.
✅Vom Torfabbau zur Wiedervernässung
Eine besondere Rolle spielte über Jahrhunderte das Altwarmbüchener Moor. Torf war ein wichtiger Brennstoff und wurde über den Schiffgraben in Richtung Hannover transportiert. Um diesen Transportweg und den Torfabbau gab es immer wieder Auseinandersetzungen mit Bothfeld. See Das Moor war damit nicht nur Naturraum, sondern auch wirtschaftliche Grundlage.
Heute hat sich der Blick darauf grundlegend verändert. Intakte Moore sind bedeutende natürliche Kohlenstoffspeicher. Werden Moorböden entwässert, setzt der im Torf gebundene Kohlenstoff Kohlendioxid frei.
Seit Anfang 2026 gehört das Altwarmbüchener Moor zum europäischen LIFE-Projekt „RePeat“. Gemeinsam mit weiteren Moorgebieten in der Region Hannover sollen wieder naturnähere Wasserstände hergestellt werden. Wo früher Wasser abgeleitet und Torf gewonnen wurde, soll heute wieder mehr Wasser im Moor gehalten werden – für den Erhalt des Lebensraums und den Klimaschutz.
Damit spannt sich ein bemerkenswerter Bogen durch die Ortsgeschichte: Was früher vor allem als Rohstoffquelle genutzt wurde, soll heute als Naturraum und Kohlenstoffspeicher bewahrt werden.
✅Geschichte direkt vor der Haustür
Weitere Stationen erinnerten an das frühere Haus des Wegegelderhebers, an Gasthöfe und Ausspanne entlang der alten Verbindung zwischen Hannover und Celle sowie an die Ziegelei, die später Arbeitsplätze und Wachstum nach Altwarmbüchen brachte.
Gerade die Mischung aus historischen Fakten, persönlichen Erinnerungen und Geschichten aus dem alten Dorf machte den Rundgang lebendig. Menschen, die seit Jahrzehnten in Altwarmbüchen leben, trafen auf neu Zugezogene, jüngere auf ältere Teilnehmende – und manche Geschichte wurde unterwegs noch um eine persönliche Erinnerung ergänzt. Mit dabei waren von den Grünen auch Jessica Rothhardt, Len Eriksson und Antje Eggers. Zwischen den Stationen blieb so auch Gelegenheit für persönliche Gespräche über Altwarmbüchen und Isernhagen.