26/03/2026
Gemeinsame Stellungnahme der Fraktionen SPD und FBA:
Selten gibt es in der Politik die echten großen Gestaltungsfenster.
Momente, in denen nicht nur verwaltet, sondern wirklich neu gedacht werden kann.
Genau so ein Moment ist jetzt in Alsdorf.
Zwei zentrale Führungspositionen in der Stadtverwaltung stehen gleichzeitig zur Neubesetzung an. Der Bürgermeister ist noch nicht lange im Amt und Strukturen um ihn herum sind noch flexibel. Eine Konstellation, die es so nur selten gibt – und die die Chance bietet, Strukturen nicht einfach fortzuschreiben, sondern gezielt weiterzuentwickeln.
Genau darüber wurde am Dienstag im Ausschuss für Personal, Digitalisierung und Beteiligungen beraten.
Und genau deshalb geht es bei dieser Debatte um mehr als nur eine Stelle in der Verwaltung.
Es geht um die Frage, wie wir das starke Fundament unserer Stadtverwaltung zukunftsfähig weiterentwickeln.
Der Vorschlag unserer beiden Fraktionen war klar:
1. Die Verwaltungsstruktur modernisieren
2. Verantwortung klarer zuordnen
3. Mit einem innovativen Dezernenten gezielt die Weiterentwicklung unserer Stadtverwaltung vorantreiben
Am Ende ist dieser Änderungsantrag gescheitert – mit den Stimmen von CDU, Grünen und AfD.
Das respektieren wir. Aber wir halten es für falsch.
Denn worum ging es?
Es ging um die Frage, wie wir unsere Verwaltung für die nächsten Jahre aufstellen wollen – und wie wir sie resilient machen für die Herausforderungen der Zukunft.
Ein zentrales Argument der Gegenseite war:
„Auch mit einem Beigeordneten kann man diese Veränderung umsetzen.“
Ja – theoretisch stimmt das.
Aber die entscheidende Frage ist:
Passiert diese Veränderung dann auch wirklich – und vor allem ergebnisoffen?
Gerade in einem Stadtrat ohne klare Mehrheiten?
Denn mit der Wahl eines Beigeordneten legen wir die Struktur der Verwaltung für acht Jahre fest. Zuständigkeiten sind verteilt, Erwartungen gesetzt, Verantwortungsbereiche definiert.
Jede spätere Veränderung wird dann zur Personalfrage – und nicht mehr zur Frage der besten Struktur.
Jede Anpassung am Dezernat wird zum politischen Spielball.
Wir investieren also Zeit, Energie und Engagement vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und riskieren am Ende, dass gute Konzepte aus kurzfristigen politischen Interessen heraus gestoppt werden.
Genau das wollten wir vermeiden.
Mit einem Dezernenten schaffen wir die Möglichkeit, diesen Veränderungsprozess strukturiert und frei umzusetzen.
• In enger Abstimmung mit der Politik
• Aber nicht abhängig von wechselnden Mehrheiten
Das stärkt die Beteiligung der Mitarbeitenden, schafft Verlässlichkeit – und sorgt für echte Umsetzung und Planungssicherheit.
Ein weiterer Punkt war das Thema Kosten.
Es wurde gesagt:
„Ein Dezernent ist nicht günstiger, das Geld ist ohnehin eingeplant.“
Auch das greift zu kurz.
Gerade in unserer aktuellen Haushaltslage müssen wir an allen Stellen genau hinschauen.
Und ohne jeden Zweifel: Ein Dezernent ist günstiger als ein Beigeordneter. Ein gutes Beispiel ist die Stadt Marl, die auf Beigeordnete bewusst verzichtet, um Kosten im sechsstelligen Bereich einzusparen.
Aber vor allem geht es um die langfristige Wirkung einer Strukturreform:
• klare Zuständigkeiten statt Doppelarbeit
• durchdachte Prozesse von Anfang bis Ende
• Digitalisierung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt
• weniger Reibungsverluste
Das sind die Faktoren, die wirklich über Kosten und vor allem über Resilienz der Stadtverwaltung entscheiden. Wie schnell wir zukünftig auf neue Herausforderungen reagieren können.
Ein weiterer Einwand war:
„Ein Beigeordneter sei ein wichtiges demokratisches Korrektiv zum Bürgermeister.“
Wir verstehen diesen Gedanken.
Aber wir teilen ihn nicht.
Denn Demokratie in unserer Stadt entsteht nicht durch eine einzelne Position in der Verwaltung.
Sie entsteht durch den Rat. Durch die Bürger. Durch uns alle.
• Der Rat beschließt und beauftragt die Verwaltung mit Umsetzungsvorhaben
• Der Rat kontrolliert die Verwaltung über Anfragen
• Der Rat entscheidet über den Haushalt
• Der Rat setzt die politischen Schwerpunkte
Das sind die echten Hebel demokratischer Steuerung.
Und keiner dieser Hebel wird durch unseren Vorschlag eingeschränkt.
Im Gegenteil:
Durch eine modernere Verwaltungsstruktur schaffen wir mehr Transparenz, klarere Prozesse und bessere Entscheidungsgrundlagen.
• Mehr Transparenz und bessere Daten bedeutet mehr Einfluss
• Mehr Klarheit bedeutet bessere Entscheidungen
• Mehr Nachvollziehbarkeit bedeutet mehr Vertrauen
Wir wollen nicht weniger Kontrolle.
Wir wollen bessere Steuerung.
Ja, Veränderung ist unbequem.
Ja, sie stellt Gewohntes in Frage.
Aber Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass wir alles so lassen, wie es ist.
Fortschritt entsteht, wenn wir den Mut haben, Dinge neu zu denken.
Und den Willen, sie auch umzusetzen.
Die Entscheidung fällt am Ende im Rat.
Und genau dort gehört sie auch hin.
Denn eines ist klar:
Es geht hier nicht um heute.
Es geht um die nächsten 10 bis 15 Jahre unserer Stadt.
Und dafür lohnt es sich, weiter zu kämpfen.